Montag, 9. Mai 2011

Stammzellforschung: Prominente Bioethiker kritisieren „unredliche Hype“

Versprechungen waren bewusst überzogen, Vertrauen in Wissenschaft wird untergraben

Zwei prominente US-amerikanische Bioethiker aus konträren Lagern zeigten sich in einer hochkarätigen Debatte überraschend in einem Punkt einig: Sowohl für Robert P. George, Professor für Rechtswissenschaften an der Princeton University als auch für Arthur Caplan, Direktor des Center for Bioethics an der University of Pennsylvania hätten embryonale Stammzellforscher von Anfang an die Hoffnungen auf zukünftige Therapie aus ihrer Forschung maßlos übertrieben – und sie taten dies bewusst, so die Kritik der beiden Bioethiker, die im Rahmen eines Think-Tank-Gesprächs des Witherspoon Instiute in Princeton/New Jersey über Medizin, Forschung und Ethik zusammentrafen. Publiziert ist die lesenswerte Debatte im Online-Journal Public Discourse: Ethics, Law and the Common Good (online April 2011). Caplan gehört zu den gewichtigsten Stimmen einer liberalen Bioethik und ist der wohl am häufigsten in den US-Medien zitierte Bioethiker. George ist ehemaliges Mitglied von Ex-Präsident Bushs Council of Bioethics, ein führender Konservativer, der sich gegen embryonale Stammzellforschung und Abtreibung ausspricht.

Caplan prangerte ungewöhnlich offen die verbreiteten Unwahrheiten an: "Die embryonale Stammzellforschung war komplett überzogen im Hinblick auf ihre Versprechungen. Dabei haben die Leute das gleich gewusst. Das habe ich mir insgeheim selbst oft sagen müssen, obwohl ich diese Forschung unterstütze. Aber die Vorstellung, dass wir die Menschen innerhalb eines Jahres aus dem Rollstuhl kriegen, wenn nur die embryonale Stammzellforschung ordentlich unterstützt wird, ist einfach absurd... Da wird ständig versichert: Stammzellforschung wird den Alzheimerpatienten helfen. Aber gerade das ist in der Stammzellforschung nicht drin. Alzheimer ist eine Ganz-Hirn-Verwüstung, die keine Zelle auslässt. Das kann man mit Stammzellforschung nicht wettmachen. Modulieren? Vielleicht. Heilen? Nie!"

George ist überzeugt, dass sich die offenbar bewusste Verdrehung der Wahrheit rächen wird: „… es ist genau diese Art von Unehrlichkeit, die die Öffentlichkeit der Wissenschaft entfremdet. Auch wenn die Öffentlichkeit anfänglich alles schluckt und sich die Forscher irgendwie herausreden, dann aber ihre Versprechen nicht einlösen können, wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft erschüttert - was wieder die Finanzierung in Frage stellt.“ Letzteres dürfte unter Präsident Barack Obamas Amtszeit vorerst in den USA kein Thema sein: Ein US-Berufungsgericht hat der Regierung Ende April 2011 in zweiter Instanz grünes Licht für die Fortführung der staatlichen Förderung embryonaler Stammzellenforschung gegeben.

Quelle: Imabe-Newsletter Mai 2011

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Montag, 11. Oktober 2010

Studie: Gezielte Begleitung von Krebspatienten steigert Therapieerfolge

Neues Betreuungsmodell bezieht die Mitarbeit von Apothekern ein

Eine intensive und multidisziplinäre Betreuung von Krebs-Patienten verbessert die Therapie deutlich. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist offenbar auch die Einbindung von Apotheken, die die Medikamente herausgeben. Das besagt eine neue Studie unter der Leitung von Ulrich Jaehde vom pharmazeutischen Institut der Universität Bonn, die im Journal Supportive Care in Cancer (doi:10.1007/s00520-010-0927-5) erschienen ist.

Grundlage der Studie, die in Kooperation mit verschiedenen Kliniken und Arztpraxen entstand, ist die Erfahrung, dass Krebspatienten Medikamente in Tablettenform zu Hause oft unregelmäßig und nicht nach dem vom Arzt vorgeschriebenen Therapieschema einnehmen. Rund ein Viertel der beobachteten Patienten folgte mindestens einmal pro Woche nicht der ausgehändigten Verschreibung. Häufig hatten unangenehme Nebenwirkungen dazu geführt, dass die Patienten die Medikamente nicht korrekt einnahmen oder die Therapie ganz abbrachen, so die Autoren.

Eine gezielte Unterstützung von Krebspatienten in Zusammenarbeit mit Apothekern kann dagegen die Therapietreue signifikant steigern, zeigte die aktuelle Studie. Während ein Viertel der nicht betreuten Patienten ihre Tabletten an mehr als jedem fünften Tag nicht korrekt einnahm, traf dies auf keinen der betreuten Patienten zu. „Die betreuten Patienten hielten sich nicht nur besser an das Therapieschema des Arztes, sondern brachen die Behandlung auch seltener ab“, sagt der Studienleiter und Klinische Pharmakologe Ulrich Jaehde.

Neu an dem vorgestellten Modell ist unter anderem die Einbindung von Apothekern. Nach der Entscheidung für eine Krebstherapie in Tablettenform informiert der Arzt den Patienten über die Möglichkeit einer zusätzlichen pharmazeutischen Betreuung. Ist der Patient daran interessiert, gibt ein Apotheker ihm Einnahmehinweise und berät ihn zur Therapie, erklärt, welche Nebenwirkungen bei seinen Medikamenten auftreten könnten, wie er sie frühzeitig erkennt und was er dann tun kann. Bei Fragen stehen die Apotheker jederzeit auch telefonisch zur Verfügung. Derzeit läuft noch eine Folgestudie, um das Betreuungsmodell weiter zu verbessern.

Quelle: IMABE-Newsletter Oktober 2010

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