Dienstag, 13. Dezember 2011

IMAGO HOMINIS-Vorschau: Die Ganzheit des Menschen im Licht hippokratischer Ethik

Hippokrates heute II“ lautet der Titel der aktuellen Ausgabe des Journals Imago Hominis. Dabei kommen auch Fragestellungen zur Sprache, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt als „hippokratisch“ rezipiert werden.

Der Ethiker und Mediziner Giovanni Maio (Universität Freiburg i. Breisgau) plädiert für eine „Kunst des Maßes in der Medizin“. Im Gegensatz zur antiken Auffassung von Krankheit als dem Verlust der Ausgewogenheit (Dyskrasie) herrsche heute eine mechanistische Vorstellung von Krankheit vor, die die Grenzen der Machbarkeit übersehe. Werner Waldhäusl (Medizinische Universität Wien) beschäftigt sich mit dem Dilemma einer ganzheitlichen Sicht des Menschen einerseits und anderseits mit der unausweichlichen Notwendigkeit der Spezialisierung der modernen Medizin. Johannes Bonelli (IMABE, Wien) beleuchtet anhand von Themen wie Euthanasie, Schwangerschaftsabbruch, Verhütung und In-Vitro-Fertilisation Fragen des Schutzes des menschlichen Lebens, der als das herausragende Leitmotiv des ärztlichen Berufsethos hippokratischer Prägung gilt.

Welche Eigenschaften im hippokratischen Sinne kennzeichnen heute noch das ärztliche Selbstverständnis? Marion Stoll (IMABE, Wien) zeichnet in ihrem Beitrag das „Tugendprofil des Arztes nach Hippokrates“ nach. Der Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) legt in seinem Artikel „Der Hippokratische Eid: Tradition, Mythos, Fiktion“ die Sichtweise der hippokratischen Skeptiker dar.

Im Vergleich mit den großen naturwissenschaftlichen Fächern der Medizin wird offenbar der Ausbildung auf dem Gebiet Ethik nur eine eher geringe Bedeutung zugemessen. Das zeigt die in Imago Hominis publizierte Originalstudie von Martin W. Schnell et al. (Universität Witten/Herdecke) anhand eines Fallbeispiels aus der Pädiatrie. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass im ethischen Urteilsvermögen der Studierenden kaum eine Entwicklung festzustellen ist.

Die Pharmazeutin und Bioethikerin Margit Spatzenegger (Wien) liefert einen profunden Einblick in die ethische Debatte und die politisch widersprüchlichen EU-Regelungen, bei denen der Schutz der Tiere in der vorklinischen Forschung höher bewertet wird als der Schutz des menschlichen Embryos.

Die Imago-Hominis-Ausgabe 4/2011 mit dem Schwerpunkt „Hippokrates heute II“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522 und kann als Einzelheft um € 10,– bezogen werden.

Quelle: IMABE-Newsletter Dezember 2011

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Dienstag, 14. Juni 2011

IMAGO HOMINIS-Vorschau: „Hippokrates heute“ analysiert die Aktualität des ärztlichen Berufsethos im Licht der Tradition

Der Stand der Ärzte hat sich wohl wie kein anderer Berufszweig seit jeher um eine standesgemäße Berufsethik bemüht. Das liegt daran, dass Ärzte ihre Tätigkeit nicht nur als Anwendung eines rein naturwissenschaftlich ausgerichteten Wissens und Könnens angesehen haben. Sie haben ihren Beruf auch immer unter den Aspekt der sittlich-ethischen Verantwortung für die Person des Patienten gestellt. Bis heute besteht dieses Bemühen der Mediziner, sich an ethischen Gesichtspunkten zu orientieren. Repräsentativ für diese traditionelle Berufsauffassung kann der sog. Hippokratische Eid bzw. die hippokratische Ethik gelten. Zwar ist der antike Text als Gelöbnisformel kaum noch in Verwendung und im Wortlaut den meisten Ärzten nicht präsent. Wohl aber besitzt er eine gewisse innerliche Aktualität im ärztlichen Bewusstsein.

Das Anliegen dieser und einer weiteren Ausgabe von Imago Hominis ist es, diese Fundamente ärztlicher Ethik wieder bewusst zu machen. Angesichts des Fortschritts in der Medizin fragen sich ja immer mehr Ärzte, ob sie denn wirklich alles tun dürfen, was sie medizinisch können, und wo die Grenzen des ethisch Verantwortbaren zu ziehen sind – was sich etwa in der Etablierung von Ethikkommissionen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens ausdrückt.

Die Wiener Medizinhistorikerin Gabriela Schmidt-Wyklicky beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der historischen Entwicklung des hippokratischen Eides und des Corpus Hippocraticum und deren Einfluss auf spätere ärztliche Gelöbnisse bis in die Gegenwart. Dietrich von Engelhardt (Universität Lübeck) analysiert in seinem Beitrag den hippokratischen Aphorismus „Die Kunst ist lang, das Leben kurz, der günstige Augenblick ist flüchtig, die Erfahrung trügerisch, die Entscheidung schwierig“. Er zeigt dabei auf, dass diese Einsichten zeitlose und so auch für das moderne Selbstverständnis des Arztes zentrale Fragen berühren. Der Medizinethiker Axel W. Bauer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) schreibt über das Rollenverständnis des Arztes im Laufe der Geschichte und verweist auf dessen Abhängigkeit vom und Rücksichtnahme auf den jeweiligen Zeitgeist. Der Mediziner Jan Stejskal (IMABE) setzt das Corpus Hippocraticum in Zusammenhang mit aktuellen Fragen der Palliativmedizin und fragt, ob die hippokratische Medizin eine Orientierungshilfe für oft schwierige Entscheidungen zwischen kurativer und palliativer Medizin am Krankenbett liefern kann. Wie eindringlich sich der Mensch seit der Antike mit seinem unausweichlichen Schicksal beschäftigt hat, zeigt der Philosoph und Theologe Markus Enders (Universität Freiburg i. Breisgau) in seinem Beitrag über das Verständnis von Schicksal in der antiken Welt und dessen Bedeutung für das Machbarkeitsdenken unserer Zeit.


Die Imago-Hominis-Ausgabe 2/2011 mit dem Schwerpunkt „Hippokrates heute I“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522 und kann als Einzelheft um € 10,– bezogen werden.

Quelle: Imabe-Newsletter Juni 2011

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Montag, 9. Mai 2011

USA: Medizinische Eide sind für Ärzte kein moralischer Kompass mehr

99 Prozent der Ärzte verlassen sich auf ihr "persönliches ethisches Gefühl"

Die meisten Ärzte legen zum Studienabschluss einen Eid ab, der gemäß der Tradition des Arztstandes oft einer modifizierten Version des Hippokratischen Eides entspricht. Doch für die wenigsten hat das Gelöbnis Einfluss auf ihre spätere professionelle Tätigkeit, zeigt eine Befragung, deren Ergebnisse in Archives of Internal Medicine (2011; 171: 469 - 471) publiziert wurden.

Von 1.032 praktizierenden US-Ärzten hatten mehr als 80 Prozent an ihrer Uni einen Eid geschworen (Hippokrates, Genfer Deklaration, Ethik-Kodex der American Medical Association usw.). Das Gelöbnis sollte ein Garant für gemeinsam akzeptierte ethische Richtlinien sein und das besondere moralische Gewicht der ärztlichen Tätigkeit bewusst machen. Doch nur 26 Prozent der Befragten gaben an, dass sie der Eid in ihrer Tätigkeit als Arzt nachhaltig beeinflusst oder ihnen als Richtlinie in ihrer medizinischen Laufbahn gedient habe. Für die meisten stelle der Eid nur noch ein Ritual, aber kein zentrales, sinnvolles, signifikantes Ereignis dar, erklärt der Internist und Co-Autor Farr A. Curlin von der University of Chicago. Curlin untersucht im Rahmen des universitären Program on Medicine and Religion die Frage des Zusammenhangs von Religion, Spiritualität und Medizin in der ärztlichen Tätigkeit. Jene Ärzte, die Religion für wichtig hielten, waren eher geneigt, dem Eid einen Einfluss zuzuerkennen als weniger Religiöse.

Auf die Frage, was ihnen in ethischen Fragen am meisten helfe, gaben über 90 Prozent der Ärzte an, sich in ihrer Berufspraxis auf ihr "persönliches Gefühl von richtig und falsch" zu stützen. Mehr als ein Drittel berief sich auch auf ein "großes moralisches Vorbild", 28 Prozent auf ihren religiösen Glauben und 16 Prozent auf den Ethik-Kodex der AMA. Innerhalb dieses weiten Spektrums von moralischen Traditionen in unserer Kultur sollte man laut Curlin Mittel intensivieren, wie Ärzte einander helfen können, in ihrer Berufsausübung höhere Werte als Geldverdienen und Erfolge anzustreben.

Quelle: Imabe-Newsletter Mai 2011

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