Montag, 10. Juni 2013

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Hirntod

Ab wann ist der Mensch tot? Weltweit sind sich internationale medizinisch-wissenschaftliche Gremien einig, dass der Hirntod zugleich den Tod des Menschen bedeutet. Auch in der Rechtsprechung der meisten westlichen Länder gilt die Regel, dass – neben der freiwilligen Organspende eines Lebenden – eine Organentnahme zur Transplantation nur von Toten erlaubt ist und dass demnach Hirntote als Organspender zugelassen sind. Aufgrund anhaltender medialer Debatten widmet sich IMAGO HOMINIS in seiner kommenden Ausgabe dem Schwerpunkt „Hirntod“ aus medizinischer und ethischer Perspektive. 

Der Intensivmediziner J. Bonelli (Direktor von IMABE, Wien) analysiert den Status des Hirntoten aus medizinisch-philosophischer Sicht und befasst sich auch eingehend mit den Argumenten der Gegner des Hirntod-Konzeptes. Im Speziellen weist er darauf hin, dass das Integrations- bzw. Desintegrationsargument nicht ausschließlich somatisch-biologisch betrachtet werden darf, sondern auch auf die Identität bzw. Individualität eines Menschen abstellt.

E. Trinka (Universitätsklinik für Neurologie, Christian Doppler Klinik/ Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg) zeigt die Entwicklung der Hirntodkonzepte vor und nach dem Harvard-Report (1968) und behandelt aktuelle diagnostische Instrumente zur Feststellung des Hirntodes und ihre Zuverlässigkeit.

Der Anästhesist T. Bachleda (Universitätsklinik für Anästhesie, allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, Medizinische Universität Wien) beschreibt in seinem Beitrag auf eindrucksvolle Weise die pathophysiologischen Veränderungen nach Eintritt des Hirntodes und den enormen Aufwand der Intensivmedizin, der nötig ist, um potentiell geeignete Organe für eine bevorstehende Transplantation vital zu erhalten. 

Der Beitrag des Philosophen J. Rosado (Salzburg) analysiert das Phänomen des Lebens aus philosophischer Sicht und untersucht die ontologischen Kriterien des menschlichen Lebens. Er setzt sich dabei mit dem Lebensprinzip (Seele) als innere Wirkkraft des Lebendigen zur Konstitution einer übergeordneten Ganzheit auseinander. 

Aus aktuellem Anlass befasst sich Birgitta Stübben (Fachärztin für Psychiatrie u. Psychotherapie, Köln), kritisch mit dem im Mai 2013 veröffentlichten Psychiatrie-Handbuch, des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-5 (DSM-5). Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde kritisiert, dass es aufgrund einer Ausweitung von der Diagnosestellung einer psychischen Erkrankung zu einer Medikalisierung von alltäglichen Schwierigkeiten und psychischen Leidenszuständen kommen kann. 

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 2/2013 mit dem Schwerpunkt „Hirntod“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro bezogen werden.

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Montag, 6. August 2012

Organtransplantation: „Hirntodnachweis ist sicherstes Kriterium zur Feststellung des Todes“

IMABE-Direktor wendet sich gegen Kritiker der Hirntod-Definition

Ab wann ist der Mensch tot? In der medizinischen Wissenschaft besteht kein Zweifel, dass die sicherste Methode zur Todesfeststellung der Nachweis des sogenannten „Hirntodes“ ist. Er ist in seinem Symptomenkomplex klinisch klar definiert (irreversibles Koma, Ausfall der Hirnstammreflexe und Apnoe) und dank modernster technischer Mittel (EEG, MRT, Angiographie, Nuklearmedizin) feststellbar. Umso erstaunlicher scheint es, wenn im Zuge der gesetzlichen Neuregelung zur Organtransplantation in Deutschland eine emotionale Debatte über medizinisch fundierte, seit Jahrzehnten bewährte Leitlinien vom Zaun gebrochen wurde, erklärt IMABE-Direktor Johannes Bonelli in der Neuen Zürcher Zeitung („Zum Streit um den Hirntod“, 14. August 2012).

Der Internist hält fest, dass der Hirntod - der irreversible Zerfallsprozess des Organismus – die davor gängige Definition des Todes (Herz- und Atemstillstand) zu Recht abgelöst habe. Denn erst wenn die Gehirnzellen als Folge des Sauerstoffmangels nach Herz- und Atemstillstand irreversibel zerstört sind, ist der Zerfallsprozess endgültig. Unter normalen Bedingungen beträgt dieses Zeitfenster ca. 8-10 Minuten. Herz- und Kreislaufstillstand zeigen den Tod also nur indirekt an. Mithilfe der Gehirnphysiologie lasse sich eindeutig nachweisen, dass es bei der Zerstörung des Gehirns zu einer Desintegration des Organismus in seiner Ganzheit kommt, betont Bonelli.

Er wehrt sich gegen die Unterstellung einiger Hirntodgegner, dass „die Hirntoddefinition absichtlich nur dazu erstellt wurde, um möglichst leicht vitale Organe für deren Transplantation zu erhalten“. Wenn „der letztlich unaufhaltsame Zersetzungsprozess der Organe des Hirntoten durch eine aufwendige medizinische Intervention von außen noch für einige Stunden künstlich in die Länge gezogen wird, um deren Transplantation zu ermöglichen und einem sonst todgeweihten Mitmenschen das Leben zu retten, kann dies doch nicht plötzlich verwerflich sein“, kontert Bonelli.

Der Nachweis des Funktionsausfalls des Gehirns durch dessen vollständige Zerstörung sei das bis heute sicherste Zeichen beziehungsweise Kriterium für den Tod eines Menschen. Bonelli: „Deshalb kann die Intensivtherapie ohne juristische Komplikationen beendet werden und eine Organentnahme aus dem Leichnam ohne schwerwiegende ethische Bedenken erfolgen.“ In Österreich ist es gesetzlich erlaubt (vgl. Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten (KAKuG) § 62a ff.), Menschen, deren Hirntod unwiderruflich festgestellt wurde, Organe zum Zwecke der Transplantation zu entnehmen, sofern im Widerspruchsregister keine Eintragung erfolgt ist.

Quelle: IMABE-Newsletter August 2012

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