Dienstag, 8. Juli 2014

Medizinjournalismus: Maßstäbe zwischen Information und Marketing verschwimmen

Deutsche Wissenschaftsakademien stellen Empfehlung für eine qualitätsvolle Berichterstattung vor

In der Branche des Wissenschaftsjournalismus wächst das Unbehagen über die sinkende Qualität der Berichterstattung. Die Grenzen zwischen Information und Marketing würden verschwimmen, schreiben der Kommunikationswissenschaftler Holger Wormer von der Technischen Universität Dortmund und der Soziologe Peter Weingart in der Zeit (online, 6. 7. 2014). Journalisten übernehmen Pressemitteilungen von Forschungseinrichtungen häufig zu unkritisch. Angesichts knapper Forschungsmittel bestehe einerseits der Druck von Universitäten und Einrichtungen, ihre Erfolge zu präsentieren. Andererseits würden auch die Medien unter ökonomischem Druck stehen. „Redakteursstellen werden abgebaut (wobei die Wissenschaftsressorts mangels ausreichender Lobby oft zu den ersten Opfern gehören), es fehlen Zeit und Geld für gründliche Recherchen“, so die Autoren. Eine Handhabe für mehr Qualität sollen die nun präsentierten Empfehlungen Zur Gestaltung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und den Medien (Pressemitteilung, online, 17. 6. 2014) der deutschen Wissenschaftsakademien bieten.
Die Empfehlungen sind kritisch im Hinblick auf die Medien wie auch selbstkritisch im Hinblick auf die Wissenschaft und ihre Kommunikation. „Gefragt sind nicht nur Journalisten, sondern auch Pressestellen, Forscher, Universitätsleitungen und nicht zuletzt die Politiker. Denn sowohl Wissenschaft wie Journalismus sollten sich einer sachlich-aufklärerischen Kommunikation verpflichtet fühlen.“ Die Errichtung eines Wissenschaftspresserats und eines unabhängigen Science Media Centers zählt zu den Vorschlägen, die die Qualität der Berichterstattung über wissenschaftliche Sachverhalte sichern sollen.

Als Hilfen für Qualitätssicherung stehen Journalisten derzeit folgende Foren zur Verfügung: Der Medien-Doktor ist ein seit 2010 bestehendes Online-Angebot von Journalisten für Journalisten, angesiedelt am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund. Mit Hilfe eines Gutachterpools aus Journalisten werden mehrmals pro Woche medizinjournalistische Beiträge aus deutschen Print-, TV-, Hörfunk- und Online-Medien nach definierten Kriterien beurteilt. In Österreich nimmt das Online-Portal Medizin-Transparent.at hiesige Presseberichte unter die Lupe. Erwähnenswert ist auch das MedizinMag, das als Checkliste sich auch für Journalisten eignet, die nicht täglich mit Medizinthemen zu tun haben und sie bei der korrekten Recherche und Einschätzung medizinischer Themen unterstützt. Es beruht auf den Arbeiten von medien-doktor.de und dessen internationaler Vorbilder (healthnewsreview.org).

Fotos:  © Tim Reckmann  / pixelio.de

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Montag, 16. Dezember 2013

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Kommunikation in der Medizin

Ärzte führen im Laufe ihres Berufslebens rund 100.000 medizinische Gespräche mit Patienten. Die Zeit dafür ist meist knapp bemessen. Heute weiß man, wie wichtig ein guter Kommunikationsverlauf zwischen Arzt und Patient für den Therapieverlauf und den Krankheitsprozess ist. Kommunikationsmangel wird als Beziehungsstörung und Vertrauensbeeinträchtigung empfunden – und schlägt sich unweigerlich auch auf die Qualität der Behandlung nieder. Ohne das Vertrauen des Patienten können weder Ärzte noch Pfleger ihren Heilungsauftrag ausführen. 

Wie lässt sich eine geglückte Arzt-Patienten-Kommunikation aufbauen und erhalten? Welche Faktoren müssen dafür besonders berücksichtigt werden? Diesen Fragen widmet sich die kommende Ausgabe das Fachjournals Imago Hominis mit dem Schwerpunkt „Kommunikation in der Medizin“. 

Das Erstellen oder Erlernen von rein technischen Kommunikationsmodellen genügt nicht, damit es zu einer Begegnung von Menschen kommt. Was also braucht es mehr? Thomas S. Hoffmann (Fernuniversität Hagen) widmet sich einer anthropologischen Sicht auf das Phänomen Kommunikation und fragt nach den Eckpunkten einer Ethik der Kommunikation. 

In seinem Beitrag zum ärztlichen Gespräch und seiner Dynamik zeigt der Berliner Sozialpsychologe Hans-Wolfgang Hoefert auf, wie sich bestimmte Rahmenbedingungen (Arztpraxis, Krankenhaus) günstig oder ungünstig auf die Gesprächsqualität auswirken können, und welche Maßnahmen der Arzt setzen muss, damit die Erwartungen und Krankheitsvorstellungen des Patienten in die Gespräche einbezogen werden.

Die Internistin und Psychoonkologin Monika Keller (Universitätsklinikum Heidelberg) arbeitet in ihrem Beitrag heraus, auf welche speziellen Herausforderungen ärztliche Kommunikation im Bereich der Onkologie trifft. Im Mittelpunkt der Anforderungen an menschliche und professionelle Kompetenz steht eine patientenzentrierte Kommunikation, ohne die eine „heilsame Behandlung“ und Versorgung von Krebspatienten nicht denkbar ist. Anhand eines deutschlandweit seit 2008 speziell für Onkologen durchgeführten Kommunikationstrainings zeigt Keller, wie Ärzte in ihrer Kompetenz, Krebspatienten gut zu führen und sie und deren Angehörige zu begleiten, gestärkt werden können. 

Michael Peintinger, Anästhesist am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien, richtet seinen Fokus auf die interkulturelle Kommunikation. Hier brauche es vonseiten des Arztes ein Wissen um unterschiedliche kulturgebundene Werthaltungen, eine kulturelle Sensibilität sowie die grundsätzliche Bereitschaft, das Wertesystem des Patienten wahrzunehmen und einzubeziehen. 

Martina Hess und Regina Hummer (Kommunikationstrainerinnen, Horizont, Wien) zeigen anhand des Fünf-Phasenmodells „Schock – Verleugnung – Aggression – Depression – Trauerarbeit“, was in Patienten nach der Konfrontation mit einer schwerwiegenden Diagnose emotional vorgeht, und geben hilfreiche, praktische Strategien für die weitere ärztliche Gesprächsführung. 

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 4/2013 mit dem Schwerpunkt „Kommunikation in der Medizin“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro bezogen werden.

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Donnerstag, 5. September 2013

Aktuell: IMAGO HOMINIS widmet sich der „Spiritualität in der Medizin“

Von alters her war klar, dass Medizin als Heilkunst den ganzen Menschen im Blick haben muss. Sie kann nicht bloß als rein naturwissenschaftliche Disziplin agieren, sondern muss auch die geistigen Dimensionen des Menschen berücksichtigen. Gerade weil die Medizin heute in zunehmendem Ausmaß die Spiritualität vernachlässigt, muss sie sich den Vorwurf einer seelenlosen Apparatemedizin gefallen lassen. Der Ruf nach mehr Spiritualität in der Medizin wird immer lauter. Anlass genug, dass sich die kommende und eine weitere Ausgabe von Imago Hominis diesem Schwerpunktthema widmen wird. 

Zwei Beiträge befassen sich mit den anthropologischen Grundlagen der Medizin und damit einer wichtigen Schnittstelle zwischen Medizin und Spiritualität. Der Medizinhistoriker Axel Bauer (Universität Heidelberg) erläutert summarisch die verschiedenen Stationen der medizinischen Anthropologie, von der antiken Vier-Säfte-Lehre bis zur naturwissenschaftlich geprägten prädiktiven Medizin des 21. Jahrhunderts.

Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (TU Dresden) widmet sich in ihrem Beitrag der Anthropologie des Leibes. Sie führt aus, dass Leib immer schon in Verbindung zu Leben und Liebe steht: in seiner naturhaften Gegebenheit, in willentlich-personaler Gestaltung des Leib-Geist-Gefüges, in transzendierender Beziehung. 

Der Theologe, Priester und Klinikseelsorger Erhard Weiher (Universitätsmedizin Mainz) zeigt die praktische Spiritualität in der Medizin auf. Hoffnung ist ein zentrales spirituelles Thema in der Krankenpflege. „Spirituell“ heiße aber nicht, Hoffnung bloß aus dem religiösen Repertoire zu schöpfen. Vielmehr ist Hoffnungsvermittlung eine multi- und interprofessionelle Aufgabe, die z. B. in Konzept und Praxis der Palliative Care wahrgenommen werden muss. 

Der Moraltheologe, Philosoph und Mediziner Matthias Beck (Universität Wien) geht der Frage nach der Beziehung zwischen Spiritualität (Glaube) und Gesundheit nach. Er stellt in seinem Beitrag die Hypothese auf, dass die Epigenetik als junger Wissenschaftszweig eine naturwissenschaftliche Erklärung der Wirkung von Spiritualität auf die Gesundheit wird liefern können. 

Dominik Hartig und Robert Buder (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Wien) zeigen anhand der Regeln des Johannes von Gott, Gründer der Barmherzigen Brüder, auf, wie Hospitalität – verstanden als christliche Gastfreundschaft – seit Jahrhunderten einen Weg der Umsetzung christlicher Spiritualität in der Krankenpflege vorzeichnet. 

Die Imago Hominis-Ausgabe 3/2013 mit dem Schwerpunkt „Spiritualität in der Medizin“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522 und kann als Einzelheft um EUR 10,– bezogen werden.

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Montag, 10. Juni 2013

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Hirntod

Ab wann ist der Mensch tot? Weltweit sind sich internationale medizinisch-wissenschaftliche Gremien einig, dass der Hirntod zugleich den Tod des Menschen bedeutet. Auch in der Rechtsprechung der meisten westlichen Länder gilt die Regel, dass – neben der freiwilligen Organspende eines Lebenden – eine Organentnahme zur Transplantation nur von Toten erlaubt ist und dass demnach Hirntote als Organspender zugelassen sind. Aufgrund anhaltender medialer Debatten widmet sich IMAGO HOMINIS in seiner kommenden Ausgabe dem Schwerpunkt „Hirntod“ aus medizinischer und ethischer Perspektive. 

Der Intensivmediziner J. Bonelli (Direktor von IMABE, Wien) analysiert den Status des Hirntoten aus medizinisch-philosophischer Sicht und befasst sich auch eingehend mit den Argumenten der Gegner des Hirntod-Konzeptes. Im Speziellen weist er darauf hin, dass das Integrations- bzw. Desintegrationsargument nicht ausschließlich somatisch-biologisch betrachtet werden darf, sondern auch auf die Identität bzw. Individualität eines Menschen abstellt.

E. Trinka (Universitätsklinik für Neurologie, Christian Doppler Klinik/ Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg) zeigt die Entwicklung der Hirntodkonzepte vor und nach dem Harvard-Report (1968) und behandelt aktuelle diagnostische Instrumente zur Feststellung des Hirntodes und ihre Zuverlässigkeit.

Der Anästhesist T. Bachleda (Universitätsklinik für Anästhesie, allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, Medizinische Universität Wien) beschreibt in seinem Beitrag auf eindrucksvolle Weise die pathophysiologischen Veränderungen nach Eintritt des Hirntodes und den enormen Aufwand der Intensivmedizin, der nötig ist, um potentiell geeignete Organe für eine bevorstehende Transplantation vital zu erhalten. 

Der Beitrag des Philosophen J. Rosado (Salzburg) analysiert das Phänomen des Lebens aus philosophischer Sicht und untersucht die ontologischen Kriterien des menschlichen Lebens. Er setzt sich dabei mit dem Lebensprinzip (Seele) als innere Wirkkraft des Lebendigen zur Konstitution einer übergeordneten Ganzheit auseinander. 

Aus aktuellem Anlass befasst sich Birgitta Stübben (Fachärztin für Psychiatrie u. Psychotherapie, Köln), kritisch mit dem im Mai 2013 veröffentlichten Psychiatrie-Handbuch, des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-5 (DSM-5). Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde kritisiert, dass es aufgrund einer Ausweitung von der Diagnosestellung einer psychischen Erkrankung zu einer Medikalisierung von alltäglichen Schwierigkeiten und psychischen Leidenszuständen kommen kann. 

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 2/2013 mit dem Schwerpunkt „Hirntod“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro bezogen werden.

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Ethik: Medizin braucht neue Aufwertung von Zeit für Zuwendung

 
Grundsatzdebatte über die Prioritäten des modernen Gesundheitssystem ist nötig

Zeit hat in der Medizin durchaus eine ethische Dimension. Anlässlich der Eröffnung des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit 2013 in Berlin, in der das Thema „Ethik und Ökonomie: Würde des Patienten – Lebensqualität am Ende des Lebens“, behandelt wurde, ging es dabei nicht um Apparatemedizin, Patientenverfügung oder Euthanasie, sondern schlicht um – Zeit, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 6. 6. 2013). 

Ältere Patienten begreifen langsamer, verstehen möglicherweise schlechter und brauchen mehr Zeit, um sich auszuziehen; schon einfache Verrichtungen dauern im Alter länger, so der Medizinethiker Thomas Heinemann aus Vallendar, Mitglied des Deutschen Ethikrates ist. Diese Zeit ist im Gesundheitssystem aber nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Mit der Abrechnung nach diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRGs) werde gerade derjenige besser vergütet, der weniger Zeit für den Patienten braucht. „Der Arztberuf verliert seinen Kern“, so der Philosoph, nämlich den Fürsorgegedanken. Im hohen Zeitdruck sieht er einen Grund für den Ansehensverlust des Heilberufs. 

Vertreter von Pflegeeinrichtungen kritisierten ferner einen unverhältnismäßigen Zeitaufwand durch Dokumentation und Bürokratie, wodurch Zeit für die Patienten fehle und eine Mentalität verstärkt werde, die eine handlungsorientierte Medizin höher schätzt als eine zuwendungsorientierte. Nötig sei deshalb eine grundsätzliche Diskussion über die Prioritäten in der Medizin.


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Dienstag, 12. April 2011

Individualisierte Medizin: Maßgeschneiderte Medizin ist noch Science-Fiction

Furcht vor der Dominanz einer marketing- statt evidenzbasierten Medizin wächst

Unter den Schlagwörtern "individualisierte" oder "personalisierte" Medizin wird seit einigen Jahren ein verführerisches Konzept beworben. Doch diese Form der Heilkunde sei leider nicht Realität, sondern größtenteils Wunschdenken, heißt es in einer kritischen Analyse der Süddeutschen Zeitung (online, 18.3.2011). "Wer heute von personalisierter oder individualisierter Medizin spricht, redet von Science-Fiction", sagt Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Vieles, was unter diesem Begriff verhandelt werde, klinge zwar attraktiv, sei aber wenig oder gar nicht belegt, so Ludwig. Gerade der Nutzen der neuen Krebsmittel sei für die meisten Patienten sehr gering. Häufig wird das Überleben nur um wenige Wochen verlängert, bei gleichzeitig schweren Nebenwirkungen.

Auch in den USA mehren sich die kritischen Stimmen gegen vorgeblich maßgeschneiderte Krebstherapie. Tito Fojo und Christine Grady von den National Institutes of Health fordern eine Abkehr von der teuren Übertherapie: "Onkologen sollten sich auch dann unterstützt fühlen, wenn sie entscheiden, dass für bestimmte Patienten der unwesentliche Nutzen die Kosten nicht wert ist." Die Behandlung eines Krebspatienten mit den neuen Therapien koste 30.000 bis 90.000 Dollar, die Erfolge seien gegenüber dem Aufwand bescheiden (vgl. J Natl Cancer Inst 2009, 101:1044–1048).

Medikamente werden zugelassen, ohne dass klar ist, ob Patienten etwas davon haben. Die fragwürdige Neuausrichtung einer „individualisierten Medizin“ wird von der Politik unterstützt, obwohl sie wohl eher forschungspolitische und gesundheitspolitische Interessen propagiert und der Pharmaindustrie Einnahmen beschert als den Patienten nützt: "Manchmal muss man befürchten, dass statt evidenzbasierter Medizin die marketingbasierte Medizin dominiert", kritisiert Ludwig.

Quelle: IMABE-Newsletter April 2011

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Montag, 14. März 2011

Aktuell: Imago Hominis widmet sich „Fehlerkultur in der Medizin“

Behandlungsfehler können zu einer kritischen, existentiellen Notsituation führen. Diese trifft in erster Linie den Patienten, aber auch den Arzt. Wie kann man solche Situationen vermeiden? Wie damit umgehen, wenn der „worst case“ eingetreten ist? Negative Ereignisse werden meist nur auf juristischer und finanzieller Ebene abgehandelt. Doch das greift zu kurz. Letztlich handelt es sich in dieser Frage auch um eine ethisch-menschliche Herausforderung.

In der kommenden Ausgabe von Imago Hominis liegen nun die Vorträge der Referenten des im November 2010 veranstalteten Symposiums „Fehlerkultur in der Medizin“ vor. Die Beiträge geben einen umfassenden Überblick über die Problematik und die Zielsetzungen einer effektiven Fehlerkultur nach den Anforderungen heutiger moderner Gesundheitseinrichtungen.

Astrid Engelbrecht (Pflegedirektorin im KH Hietzing, Wien) zeigt die wichtige Rolle der Pflegenden als größter Berufsgruppe im Gesundheitswesen in der Identifizierung und Vermeidung von Fehlern auf und gibt dazu Beispiele aus der Alltagspraxis. Gabriele Cerwinka (Kommunikationstrainerin, Wien) behandelt den Umgang mit Angst, Scham und Schuld bei Fehlern und plädiert für die Schaffung einer Kommunikationsstruktur, die das Eingestehen von Fehlern zulässt. Der Unfallchirurg und jahrelange Ärztliche Leiter der Unfallabteilung des LKH Mödling, Titus Gaudernak, zeigt gemeinsam mit dem Ethiker Enrique Prat (IMABE) auf, wie das Arzt-Patienten-Verhältnis, das nach einem Fehler in die Krise geraten ist, aus prinzipien- und tugendethischer Sicht wieder hergestellt werden kann.

Markus Schwarz, Unternehmensberater in Wien, behandelt interne Strategien der Aufarbeitung von Fehlern im Team und betont, dass Strategien zum Aufbau einer echten Teamkultur unbedingt von der Führungsetage getragen sein müssen. Der Jurist Michael Memmer (Universität Wien) stellt Modelle einer Entschädigung nach Behandlungsfehlern vor, insbesondere Einrichtungen zur außergerichtlichen Konfliktlösung. Der Philosoph Clemens Sedmak (Universität Salzburg) legt Grundsätze einer Ethik in der Fehlerkultur dar. Er identifiziert drei ethische Brennpunkte, die die Entwicklung einer ethisch verantwortbaren Fehlerkultur in der Medizin ermöglichen: eine Ethik der Kommunikation, eine Ethik des Lernens und eine Ethik der Verantwortung. Die Imago Hominis-Ausgabe 1/2011 mit dem Schwerpunkt „Fehlerkultur in der Medizin“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1482 und kann als Einzelheft um € 10,– bezogen werden.

Quelle: IMABE-Newsletter März 2011

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Donnerstag, 11. November 2010

Symposium Fehlerkultur, 19./20. 11. 2010: Vertrauen sichern, Verantwortung übernehmen, Kommunikation fördern

Wie man das Beste aus einer misslichen Situation machen kann

Gesunde Niere entfernt, falsches Bein amputiert: Es sind tragische Ereignisse, mit denen die Medizin in Österreich derzeit Schlagzeilen macht. Unwillkürlich drängen sich dabei Fragen auf: Wie lassen sich solche Fehler vermeiden? Wer trägt dafür Verantwortung? Was heißt Schuld? Lassen sich Fehlerquellen nicht früher erkennen? Was ist in der internen Kommunikation schief gelaufen? Wie sagt man es dem Patienten?

Am IMABE-Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ (19./20. November 2010 in der AUVA, Wien) greifen Experten diese aktuellen Fragen im interdisziplinären Austausch auf. Der Philosoph Clemens Sedmak (Universität Salzburg) hält es für problematisch, dass durch die „Kultur der Rechenschaftspflicht“ in der Medizin ein „unglaublich bürokratischer Apparat“ entstand. Das „Moment der Verantwortung“, nämlich selbst einzuschätzen und selbst zu urteilen, werde zunehmend an anonyme Instanzen delegiert, kritisiert Sedmak in einem Interview mit der Österreichischen Ärztezeitung aus Anlass des Symposiums (25. Oktober 2010). Fehlerkultur setze eine Kultur von Verantwortung voraus.

Für Markus Schwarz, vormaliger Wirtschaftsdirektor der Christian-Doppler-Klinik und Leiter des Public Health Instituts der PMU in Salzburg, hängt der mangelhafte Umgang mit Fehlern im medizinischen Alltag mit zu strengen Hierarchien zusammen. Je nach Leitung könne der Einzelne über eigene Fehler oder die eines anderen sprechen – oder es wird geschwiegen. In der Entwicklung einer internen Fehlerkultur sollte man davon wegkommen, alles auf einen Schuldigen abzuwälzen, denn „in der Regel ist ein Fehler ein Fehlverhalten mehrerer Beteiligter“, sagt Schwarz (vgl. Österreichische Ärztezeitung, 25. Oktober 2010). Fehler sollten deshalb „als ein gemeinsam zu verhinderndes Ereignis wahrgenommen werden“, betont der Experte.

Wenn es zu einem tragischen Vorfall gekommen ist, stellt sich die Frage: Wie sage ich es dem Patienten? Der Wiener Unfallchirurg Titus Gaudernak wird anhand von „Sechs Kriterien einer patientenorientierten Kommunikation“ (vgl. „Umgang mit Fehlern“, Ärztewoche online 27. Oktober 2010) erläutern, dass Ärzte gegenüber dem Patienten die Pflicht zur Ehrlichkeit haben. Nur ein klar pro-aktives Verhalten kann einem drohenden Vertrauensverlust vorbeugen.

Weitere prominente Referenten des Symposiums sind u. a. der Gynäkologe Norbert Pateisky (Leiter der Abteilung für Risikomanagement und Patientensicherheit des AKH Wien), der Medizinsoziologe Holger Pfaff (Universität Köln), der Jurist Michael Memmer (Universität Wien), die Kommunikationstrainerin Gabriele Cerwinka, Pflegedirektorin Astrid Engelbrecht (KH Hietzing), sowie Andreas Greslehner, Ärztlicher Direktor der AUVA.

Weitere Infos zum Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ entnehmen Sie unserer Homepage: http://www.imabe.org/index.php?id=1392

Download Programm: http://www.imabe.org/fileadmin/downloads/2010-11-19_Programm.pdf.

Anmeldeschluss: 10. November 2010

Quelle: IMABE-Newsletter November 2010

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Dienstag, 2. November 2010

Umgang mit Fehlern

Wie sage ich es meinem Patienten? Murphys Gesetz lautet in der bekannten Form: Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen. Umgelegt auf die Medizin heißt das: Jeder wird früher oder später mit Fehlern und Fehlleistungen konfrontiert.

Ärzte dürfen keine Fehler machen, das haben wir schon in unserer Ausbildung gelernt. Im traditionellen Verhältnis einer Fehler-(Un)Kultur lautet deshalb nicht selten die Devise nach Bekanntwerden eines Fehlers: Besser nichts reden, Vorwürfe zurückweisen und nur noch fragen: Wo ist der Schuldige?

Für den Patienten ist trotz guter Aufklärung das Eintreten eines unerwünschten Ereignisses oft schwer zu verstehen, vor allem dann, wenn ein Schaden offensichtlich wird oder der Verdacht einer Schädigung aufkeimt. Spätestens dann steht die Fehlerkultur der Organisation auf dem Prüfstand.

Die Kommunikation mit dem Patienten

Wenn es im Rahmen einer Institution keine klaren, verbindlichen Definitionen über die verschiedenen, möglichen und unerwünschten Begleiterscheinungen einer Behandlung gibt und wenn keine Einigkeit darüber besteht, welche von diesen mit dem Patienten zu besprechen sind, dann gibt es rasch Probleme. Der Patient erwartet sich den optimalen Verlauf einer Behandlung, der Arzt wiederum geht davon aus, dass der Patient über alle Komplikationen ohnedies Bescheid weiß, und denkt vielleicht im Stillen: Jetzt ist eben eine Komplikation eingetreten, was muss ich da noch viel erklären? Folge ist, dass der Patient nicht ausreichend oder gar nicht informiert wird. Doch er schöpft häufig am Verhalten der Ärzte (der Operateur erscheint vielleicht nicht mehr) und des Pflegepersonals, am komplikationsreichen Genesungsverlauf Verdacht, dass hier etwas schief gelaufen sein muss. Ist das Vertrauensverhältnis erst einmal gestört, ist der Vertrauensverlust meist nicht wieder gut zu machen.

Sechs Kriterien einer patientenorientierten Kommunikation

Damit es nicht so weit kommt, braucht es klare Vorgaben, worin eine adäquate Fehlerkultur besteht und wie sie sich in der Kommunikation mit dem Patienten zeigen muss.

Rasches Handeln
Nach einer raschen, möglichst umfassenden Faktensammlung soll das erste Gespräch frühzeitig, innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgen, vorausgesetzt, der Patient ist physisch und psychisch in der Lage, diese Information zu verkraften.

Vertrauen wiederherstellen
Der Patient ist in der Regel bereits verunsichert, er ahnt Schlimmes und ist entsprechend emotional aufgeladen. Es ist verständlich, dass ein vom Patienten vermutetes Ereignis, das nicht angesprochen oder entsprechend erklärt wird, einen starken Anreiz für eine Beschwerde oder Klage darstellt. Ein mitfühlendes und ehrliches Gespräch in geordneter Umgebung ist der erste und so wichtige Schritt, der oft am schwersten fällt.

Den objektiven Schaden minimieren
Hier geht es um die Zusicherung gegenüber dem Patienten, dass alles getan wird, um die Schädigung zu mildern und weitere Schäden zu vermeiden.

Mut zu Wahrheit
Die Angst davor, womöglich einen Behandlungsfehler einzugestehen und mit einer Klage rechnen zu müssen, spielt für den Arzt eine wesentliche Rolle, so dass solche Gespräche unbefriedigend verlaufen können. (Das Eingeständnis eines Fehlers kann zum Ausschluss der Haftpflichtversicherung führen!) Die ersten Erklärungen sollen sich deshalb auf Fakten beschränken: was vorgefallen ist, wie sich das Ereignis auf den Patienten auswirken wird, sowohl unmittelbar als auch hinsichtlich der Prognose. Aber keine Analysen, Vermutungen oder Schuldzuweisungen! Eine offene und ehrliche Kommunikation beinhaltet auch, dass glaubhaftes Bedauern zum Ausdruck gebracht wird.
Wenn es sich jedoch um einen offensichtlichen und eindeutig zuschreibbaren Fehler handelt, muss der Arzt diesen Fehler eingestehen und die Zusicherung abgeben, dass alles getan wird, um lückenlos aufzuklären, warum es zu diesem Fehler gekommen ist.

Bereitschaft für Fehlerwiedergutmachung zeigen
Es ist Aufgabe des Arztes, genauestens darüber zu informieren, wie eine Schadenswiedergutmachung aussehen könnte.

Angehörige mit einbeziehen
Bei Kindern geschieht das selbstverständlich immer, bei Erwachsenen nur nach Rücksprache mit dem Patienten.

Doz. Dr. Titus Gaudernak ist FA für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Wien

Quelle: Ärzte Woche 43/2010

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Donnerstag, 8. Juli 2010

Save the Date: „Fehlerkultur in der Medizin“ am 19./20. 11. 2010 in Wien

Irren ist menschlich. Doch der Umgang mit Fehlern in der Medizin ist ein Sorgenkind. Eine vorausschauende Fehlerkultur ist Mangelware – im Klinikalltag ebenso wie unter den niedergelassenen Ärzten. Über die eigene Fehlbarkeit offen zu sprechen ist bis heute in der ärztlichen Arbeit immer noch stark angstbesetzt. Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse steigern die Furcht vor Sanktionen – und die Schweigespirale macht anfällig für weitere Fehler… Klar ist: Aus Fehlern soll man lernen können – aber wie?

Namhafte Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege, Kommunikation, Recht, Ökonomie und Ethik werden darüber auf Einladung von IMABE, Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik, in Kooperation mit der Österreichischen Ärztekammer, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger am 19. und 20. November in Wien diskutieren. Das interdisziplinäre Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ findet im Festsaal der Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65) statt. Nähere Informationen auf http://www.imabe.org/index.php?id=1392.

Quelle: IMABE-Newsletter Juli 2010

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Donnerstag, 1. Juli 2010

Das Leben bestellen, prüfen, wegwerfen

Ärzte und Bioethiker beklagen, dass dem Schicksal in der Medizin kaum mehr Raum gelassen wird.
aus der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2010

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Dienstag, 22. Juni 2010

Veranstaltungshinweis: „Fehlerkultur in der Medizin“ am 19./20. 11. 2010 in Wien

Der Umgang mit Fehlern in der Medizin ist ein Sorgenkind. Eine vorausschauende Fehlerkultur ist Mangelware – im Klinikalltag ebenso wie unter den niedergelassenen Ärzten. Über die eigene Fehlbarkeit offen zu sprechen ist bis heute in der ärztlichen Arbeit immer noch stark angstbesetzt. Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse steigern die Furcht vor Sanktionen – und die Schweigespirale macht anfällig für weitere Fehler… Klar ist: Aus Fehlern soll man lernen können – aber wie?

Namhafte Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege, Kommunikation, Recht, Ökonomie und Ethik werden darüber auf Einladung von IMABE, Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik, in Kooperation mit der Österreichischen Ärztekammer, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger am 19. und 20. November in Wien diskutieren. Das interdisziplinäre Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ findet im Festsaal der Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65) statt. Nähere Informationen auf http://www.imabe.org/index.php?id=1392

Quelle: IMABE-Newsletter Juni 2010

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Montag, 17. Mai 2010

IMABE-Aktuell: Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ am 19./20. 11. 2010 in Wien

Der Umgang mit Fehlern in der Medizin ist ein Sorgenkind. Es gibt kaum eine vorausschauende Fehlerkultur, weder im Klinikalltag noch unter den niedergelassenen Ärzten. In der ärztlichen Arbeit über die eigene Fehlbarkeit offen zu sprechen, ist bis heute immer noch stark angstbesetzt, Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse steigern die Furcht vor Sanktionen, die Schweigespirale perpetuiert die Anfälligkeit für weitere Fehler. Aus Fehlern soll man lernen können – aber wie?

Namhafte Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege, Kommunikation, Recht, Ökonomie und Ethik werden darüber auf Einladung von IMABE · Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik am 19. und 20. November in Wien diskutieren. Das interdisziplinäre Symposium „Fehlerkultur in der Medizin“ findet im Festsaal der Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65) statt. Nähere Informationen unter: http://www.imabe.org/index.php?id=1392

Quelle: IMABE-Newsletter Mai 2010

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