Dienstag, 14. Oktober 2014

Kommunikation: Nicht nur Ärzte, auch Patienten sollten besser kommunizieren

Förderung der Kommunikationskompetenzen von Patienten in End-Of-Life-Care wichtig

Für eine gelungene Arzt-Patient-Beziehung ist eine gute Kommunikation entscheidend. Bei Kommunikation steht häuft die Kompetenz des Arztes im Fokus, die Rolle des Patienten wird seltener behandelt. Viele Patienten sind mit Arztgesprächen nicht zufrieden. Sie konnten nicht alle Fragen stellen, sei es, weil sie nicht den Mut dazu hatten, oder aber der Arzt Zeitknappheit signalisiert hatte. Eine Freiburger Forschergruppe um Erik Farin-Glattacker vom Institut für Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg hat nun eine eigene Patientenschulung (genannt: KOKOS-Schulung) entwickelt. Das Projekt wurde vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Laut Autoren wollen chronisch kranke Patienten wissen und erlernen, was sie selbst tun können, um für sich den größten Nutzen aus einem Arztgespräch zu ziehen: in knapper Zeit die richtigen Fragen stellen, eigene Wünsche und Meinungen äußern, Feedback geben und das Arztgespräch nachbereiten. Häufig hätten sie aber den Eindruck, dass sie Befürchtungen oder auch für die Behandlung wichtige Beobachtungen eigener Symptome nicht so ausführlich einbringen zu können, wie es sinnvoll gewesen wäre. 

„Die American Medical Association schätzt, dass 80 Prozent der medizinischen Fehler auf Kommunikationsstörungen zurückzuführen sind. Verschiedene Studien belegen darüber hinaus die ökonomische Relevanz einer ungenügenden Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten und den positiven Einfluss gelungener Kommunikation auf Adhärenz und Behandlungsergebnis“, berichten die Autoren im Deutschen Ärzteblatt (2014; 111(39): A-1646 / B-1414 / C-1346) In Form von Gruppenschulungen könnten chronisch kranke Patienten und Patientinnen und deren Angehörige erlernen, zielgerichtet zu kommunizieren, kompetent aufzutreten und die knappe Zeit im Arztgespräch bestmöglich für sich nutzen. 

Wie entscheidend die Kommunikation bei schwerer Erkrankung in der Terminalphase für den Patienten ist, zeigt ein aktueller Report des Institute of Medicine (IOM) der National Academy of Sciences mit dem Titel Dying in America.  Das 21-köpfige Expertenteam kritisiert, dass wegen finanzieller Anreize Eingriffe durchgeführt werden, die oft „teuer sind und wenig angepasst an die Bedürfnisse, Ziele und Präferenzen der Patienten und ihrer Familien“. Die Autoren des 500-Seiten-Berichts geben Empfehlungen für eine Patienten orientierte und Patienten-Familien-Orientierte End-Of-Life-Behandlung ab. Patienten werden ermutigt, sich früh mit dem Sterben auseinanderzusetzen und ihre Wünsche zu kommunizieren. Die Empfehlungen zur geriatrischen Palliativpflege umfassen eine stärkere Integration der medizinischen und sozialen Dienste, Unterstützung für pflegende Angehörige sowie ein Aufbessern der Palliativversorgung in Pflegeheimen und häuslichen Pflegeprogrammen.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia

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Dienstag, 8. April 2014

Studie: Negativer Einfluss auf Arzt-Patienten-Kommunikation durch elektronische Patientenakte

Ärzten brauchen Trainings, um PC-bedingte Kommunikationsdefizite auszugleichen

Am Einsatz elektronischer Datenspeicher führt kein Weg vorbei – auch nicht in der Medizin. Gleichzeitig weiß man, dass neben High-Tech die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu den wichtigsten Determinanten der Zufriedenheit von Patienten mit ihrem Arzt und ihrer Behandlung, ihrer eigenen Therapietreue und damit letztlich auch des Behandlungsergebnisses bzw. der Gesundheit gehört. Dazu zählen nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch die Körpersprache und der Blickkontakt. Gibt es differente Verhaltensmuster zwischen Arzt und Patient, je nachdem, ob der Arzt am Papier notiert oder mit dem Computer arbeitet? Ja, sagt eine nun im International Journal of Medical Informatics (2014; 83(3): 225-234, DOI: 10.1016/j.ijmedinf.2013.11.003) erschienene Studie - und ihr Ergebnis ist ernüchternd: Wo Ärzte elektronische Patienteninformationen und Entscheidungshilfen via Computer und Bildschirm benützten, hatte dies einen negativen Einfluss auf Kommunikation zwischen Arzt und Patient. 
 
Studienleiterin Enid Montague von der Feinberg School of Medicine an der Northwestern University in Chicago und ihr Kollege Onur Asan vom Medical College of Wisconsin/Milwaukee nahmen 100 Arzt-Patientengespräche per Videokamera auf (Alter der Patienten zwischen 18 und 65 Jahren) und untersuchten sie auf sämtliche kommunikativen Prozesse und Interaktionen hin. Der Fokus lag dabei auf der Auswertung des Blickkontaktes zwischen Arzt und Patient, der als wichtiger Motor für das Entstehen von Beziehung und Zufriedenheit gilt. 

Das Ergebnis: Die Ärzte (Durchschnittsalter: 47 Jahre), die im Untersuchungsraum Zugang zur elektronischen Patientenakte hatten, verbrachten mehr als ein Drittel der Zeit damit, den Bildschirm anzuschauen. Gelenkt dadurch begannen auch die Patienten auf den Monitor zu schauen, unabhängig davon, ob sie den Text auf dem Monitor lesen oder verstehen konnten. 

Dies führt zu negativen Effekten, so die Studienautoren: Das Verhalten der Ärzte macht es für Patienten schwer, die notwendige Aufmerksamkeit des Arztes zu wecken und zu erhalten – ein Teil der Zufriedenheit und des Sich-Verstandenfühlens. Außerdem bleiben für die Behandlung relevante nonverbale kommunikative Signale unbeachtet, und auch die Fähigkeit der Ärzte, zuzuhören, zu denken und Problemlösungen zu erwägen, ist merkbar eingeschränkt. 

Studienautorin Montague hält das Sich-Verlassen auf Effizienz via Datentechnologie für gefährlich, wenn damit die zwischenmenschliche Beziehung im Arzt-Patienten-Verhältnis untergraben wird. Die Abhängigkeit von der Technik würde Kommunikationsdefizite noch steigern. Die Autoren empfehlen deshalb dringend einfache Trainings, wie Ärzte trotz Verwendung des Computers den Augenkontakt zu halten und damit die Dynamik der Begegnung zu verbessern lernen. Auch Patienten sollten ermutigt werden, in ihre Patientenakte einzusehen, wobei der Arzt diese patientengerecht erklären und erläutern sollte.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

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Dienstag, 11. Februar 2014

Studie: Bessere Kommunikation und weniger Tabletten steigern Therapietreue

Sozialer und Bildungsbackground spielten ebenso eine Rolle

Zu viele Medikamente, belastende Nebenwirkungen, mangelnde Kommunikation: Rund 50 Prozent der chronisch kranken Patienten in Industrieländern nehmen ihre Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet ein oder beenden gar selbstständig die Therapie. Eine mangelnde Therapietreue (Compliance oder Adhärenz) hat jedoch negative Auswirkungen auf den Behandlungserfolg. Wie kann man Patienten leichter „bei der Stange halten“? Eine jüngst veröffentlichte Übersichtsstudie (Dtsch Arztebl Int 2014; 111(4): 41–7, DOI: 10.3238/arztebl.2014.0041) zeigt nun am Beispiel von Bluthochdruck-Patienten, dass allem voran eine Vereinfachung des Therapieschemas – beispielsweise weniger Tabletten auf einmal verordnen – und die gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient („Shared decision making“) die Grundlage des Verordnungsgespräches sein müssen, schreiben die beiden Studienautoren Jan Matthes und Christian Albus von der Universität Köln. 

Patienten, die älter als 60 und bereits mehr als fünf Jahre auf Medikamente angewiesen waren, dabei aber nur wenige Medikamente schlucken mussten, waren konstanter in der Befolgung der ärztlichen Vorschriften. Auch kurze Abstände bei den Kontrollbesuchen sowie ein stabiles familiäres Umfeld führten zu einer höheren Therapietreue. Schlechter schnitten jene Patienten ab, wo eine chronische Erkrankung geringe oder keine Symptome aufwies, mehrere Arzneimitteleinnahmen pro Tag in einem komplexen Schema eingenommen werden mussten und noch dazu unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftraten. 

Ebenso spielte das Sozial- und Bildungsgefälle eine Rolle: Jüngere, männliche, alleinstehende Patienten mit geringerem Bildungsniveau hielten sich weniger oft an die vom Arzt vorgeschriebene Medikation als Ältere, Gebildetere und Verheiratete. 

In den 21 randomisierten kontrollierten Studien zum Effekt von Adhärenz-fördernden Maßnahmen hatten mehr als 60 Prozent die Therapietreue steigern können. Wo das Maßnahmenpaket griff, konnte in mehr als 90 Prozent auch der Bluthochdruck eingedämmt werden.

Foto: © Andrea Damm / pixelio.de

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Montag, 16. Dezember 2013

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Kommunikation in der Medizin

Ärzte führen im Laufe ihres Berufslebens rund 100.000 medizinische Gespräche mit Patienten. Die Zeit dafür ist meist knapp bemessen. Heute weiß man, wie wichtig ein guter Kommunikationsverlauf zwischen Arzt und Patient für den Therapieverlauf und den Krankheitsprozess ist. Kommunikationsmangel wird als Beziehungsstörung und Vertrauensbeeinträchtigung empfunden – und schlägt sich unweigerlich auch auf die Qualität der Behandlung nieder. Ohne das Vertrauen des Patienten können weder Ärzte noch Pfleger ihren Heilungsauftrag ausführen. 

Wie lässt sich eine geglückte Arzt-Patienten-Kommunikation aufbauen und erhalten? Welche Faktoren müssen dafür besonders berücksichtigt werden? Diesen Fragen widmet sich die kommende Ausgabe das Fachjournals Imago Hominis mit dem Schwerpunkt „Kommunikation in der Medizin“. 

Das Erstellen oder Erlernen von rein technischen Kommunikationsmodellen genügt nicht, damit es zu einer Begegnung von Menschen kommt. Was also braucht es mehr? Thomas S. Hoffmann (Fernuniversität Hagen) widmet sich einer anthropologischen Sicht auf das Phänomen Kommunikation und fragt nach den Eckpunkten einer Ethik der Kommunikation. 

In seinem Beitrag zum ärztlichen Gespräch und seiner Dynamik zeigt der Berliner Sozialpsychologe Hans-Wolfgang Hoefert auf, wie sich bestimmte Rahmenbedingungen (Arztpraxis, Krankenhaus) günstig oder ungünstig auf die Gesprächsqualität auswirken können, und welche Maßnahmen der Arzt setzen muss, damit die Erwartungen und Krankheitsvorstellungen des Patienten in die Gespräche einbezogen werden.

Die Internistin und Psychoonkologin Monika Keller (Universitätsklinikum Heidelberg) arbeitet in ihrem Beitrag heraus, auf welche speziellen Herausforderungen ärztliche Kommunikation im Bereich der Onkologie trifft. Im Mittelpunkt der Anforderungen an menschliche und professionelle Kompetenz steht eine patientenzentrierte Kommunikation, ohne die eine „heilsame Behandlung“ und Versorgung von Krebspatienten nicht denkbar ist. Anhand eines deutschlandweit seit 2008 speziell für Onkologen durchgeführten Kommunikationstrainings zeigt Keller, wie Ärzte in ihrer Kompetenz, Krebspatienten gut zu führen und sie und deren Angehörige zu begleiten, gestärkt werden können. 

Michael Peintinger, Anästhesist am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien, richtet seinen Fokus auf die interkulturelle Kommunikation. Hier brauche es vonseiten des Arztes ein Wissen um unterschiedliche kulturgebundene Werthaltungen, eine kulturelle Sensibilität sowie die grundsätzliche Bereitschaft, das Wertesystem des Patienten wahrzunehmen und einzubeziehen. 

Martina Hess und Regina Hummer (Kommunikationstrainerinnen, Horizont, Wien) zeigen anhand des Fünf-Phasenmodells „Schock – Verleugnung – Aggression – Depression – Trauerarbeit“, was in Patienten nach der Konfrontation mit einer schwerwiegenden Diagnose emotional vorgeht, und geben hilfreiche, praktische Strategien für die weitere ärztliche Gesprächsführung. 

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 4/2013 mit dem Schwerpunkt „Kommunikation in der Medizin“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro bezogen werden.

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Dienstag, 19. November 2013

Studie: Patientenzufriedenheit hängt an Kommunikation, Empathie und Information


http://www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/PDF/picker_kurz.pdf

Ärzte und Pfleger klagen über zuwenig Zeit für Patienten und Angehörige

Was belastet Ärzte und Pfleger am meisten im Klinikalltag? Was ist für Patienten am wichtigsten für eine gute Betreuung? Diesen und anderen Fragen ging das Picker Institut Deutschland, einer der international tätigen Pioniere der systematischen Patienten- und Mitarbeiterbefragung, in einer aktuellen Studie nach (hier die Kurzversion des Picker-Report 2013. Zentrale Faktoren der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit). 

Für die Zufriedenheit der Patienten ist das Verhältnis zu den betreuenden Pflegekräften und Ärzten maßgeblich. Kommunikation, Empathie, Respekt und Information sind für sie um ein Vielfaches wichtiger als das Essen oder die Zimmeratmosphäre. Das zeigen die Ergebnisse aus der Analyse der Antworten von 111.835 Patienten-Befragungsbögen aus den Jahren 2009 bis 2012. 

Die Interaktion mit dem Pflegepersonal sowie mit dem Arzt ist mit 61% der Hauptfakttor für die Gesamtzufriedenheit der Patienten. Die größten Probleme sehen die Patienten bei der Vorbereitung auf die Entlassung (47%) sowie bei allen weiteren Faktoren mit starkem Fokus auf ärztlicher Kommunikation (mangelnde Einbeziehung der Familie: 30%, direkte Probleme in der Arzt-Patient- Interaktion: 22%). 

Führung ist ein zentrales Thema für die Arbeitszufriedenheit sowohl der Ärzte als auch der Pflegekräfte, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, heißt es in dem Report. Für Ärzte ist das gute Verhältnis zu Chef und Kollegen wichtig ist und das Zusammenspiel in Hinblick auf ein berufliches Fortkommen bedeutsam (49% der Arbeitszufriedenheit hängen davon ab), spielt für Pflegekräfte – neben der Arbeitsbelastung und den Bedingungen der Patientenversorgung – vor allem die Führungs- und Unternehmenskultur mit (58%).

In Hinblick auf Patientenversorgung sehen 46% der Pflegekräfte und 39% der Ärzte Handlungsbedarf. Beide Gruppen klagen, zuwenig Zeit für die Kommunikation und Interaktion mit Patienten und Angehörigen zu haben, zwischen 50% und 65% des Personals berichtet hier über deutliche Probleme. 

Fazit des Reports: Je besser die Pflegekräfte die Interaktion von Patienten, Pflegekräften und Ärzten und die Bedingungen der Patientenversorgung bewerten, umso besser beurteilen auch die Patienten die Interaktion mit den Pflegekräften. Ähnliche ebenfalls hochsignifikante Zusammenhänge gibt es auch zwischen Patienten und Ärzten. 

Für die Autoren des Picker-Reports bedeutet dies, dass Patienten- und Mitarbeiterorientierung „nicht zu Lippenbekenntnissen in Leitbildern und Marketingaktionen“ „verkommen“ dürfen. Diese essentiellen Erfahrungen von Patienten und Ärzten sollten mehr als bisher bei der Definition von Qualitätszielen in Krankenhäusern genutzt werden.

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Donnerstag, 5. September 2013

Studie: Belastende Nebenwirkungen und fehlende Kommunikation mindern Therapietreue

Ärztliche Schuldzuweisungen gegenüber dem Patienten führen nicht zum Ziel

Der Arzt verschreibt Medikamente, doch der Patient folgt nicht. Wie kommt es zur „Therapieuntreue“, genannt Noncompliance, die Misserfolge in der Behandlung und unnötige Kosten verursachen? Haben wenig folgsame Patienten etwa kein Interesse, ihre Beschwerden zu verringern? Stimmt nicht, sagt nun eine im Forum Qualitative Sozialforschung (2013; 14(3): Art. 7) veröffentlichte Studie. Die Gründe dafür, dass chronisch Kranke ihre Medikation nicht regelmäßig nehmen, können gar nicht bloß über Folgsamkeit – Compliance – definiert werden. Denn der Wunsch nach Linderung der Beschwerden und das Vertrauen in die Medizin seien da. Chronisch erkrankten Menschen mache vielmehr der häufige krankheitsbedingte Wechsel der Medikamente zu schaffen, das Verurteiltsein zu dauerhafter Medikation samt teils deutlicher Nebenwirkungen sowie zusätzlich die häufig unzureichende Kommunikation ihrer Ärzte, lautet das Ergebnis der Untersuchung der deutschen Public Health-Forscher (vgl. Forum Gesundheitspolitik, online, 11. 8. 2013). Sie führten leitfadengestützte Interviews mit Menschen durch, die langjährig an einer behandlungsbedürftigen rheumatoiden Arthritis litten. 

Das Wissenschaftlerteam der Universitäten Bremen, Hannover und Kiel plädiert dafür, die Unterstützung für chronisch Kranke bei der Bewältigung ihrer lang andauernden Krankheitskarrieren zu verbessern statt ihnen de facto immer wieder mit Vorwürfen zu begegnen, nicht „folgsam“ zu sein. Was in einem modernen, d. h. nicht schuldzuweiserischen Compliance-Dialog zwischen Arzt und Patient zu beachten und zu erreichen ist, wird in der 26 Seiten umfassenden Studie durch ausführliche Zitate aus den Interviews anschaulich verdeutlicht. 

Dass die Arzt-Patient-Kommunikation ein entscheidender Faktor für die Therapietreue ist, wurde bereits in anderen Studien gezeigt (vgl. IMABE, Oktober 2012: Arzt-Patient-Verhältnis: Kommunikation beeinflusst Lebensqualität und Therapieerfolg). Information, Empathie und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Patienten zählen zu den zentralen Faktoren, um das Vertrauen des Kranken zu gewinnen und ihn für die Therapie zu motivieren.

Foto:  Jörg Kleinschmidt  / pixelio.de

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Montag, 14. Januar 2013

Kommunikation: Worte können verletzen – oder heilen

Neue Broschüre für Ärzte für „heilsame“ Kommunikation bei der Diagnose Krebs

Jährlich erkranken rund 40.000 Menschen in Österreich an Krebs, Tendenz steigend. Seit 1983 hat die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen um rund 20 Prozent zugenommen. Welche Rolle dabei die richtige Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten spielt, zeigt eine neu erschienene Broschüre der Techniker Krankenkasse (TK) mit dem Titel Heilsame Kommunikation, die sich an praktizierende und angehende Mediziner richtet (vgl. TK-Pressemitteilung, online 19. 12. 2012). 

Behandelnde Ärzte dafür zu sensibilisieren, wie Patienten sie verstehen und welche Konsequenzen dies haben kann, ist ein Anliegen dieser Broschüre. Verfasst wurde sie von Annette Rexrodt von Fircks, die selbst an Brustkrebs erkrankt ist. „Ein gutes Gespräch zwischen Arzt und Patient dauert genauso lange wie ein schlechtes.“ Mehr als zehn Jahre nach ihrer eigenen Diagnose beschreibt die Autorin ihre Erfahrungen und reflektiert die Gespräche mit Ärzten, Operateuren und Krankenpflegern. Daraus leitet sie Schlüsse und Ratschläge ab, die nicht belehren, sondern Denkanstöße für die eigene medizinische Praxis mitgeben sollen: Dass Worte nicht nur verletzen, sondern auch heilen können, zeigen inzwischen auch Studien, die sich mit der Compliance von Therapien befassen. Die Autorin erläutert anhand praktischer Beispiele, dass es manchmal nur Kleinigkeiten sind, die aus Patientensicht über Erfolg und Misserfolg eines Gespräches entscheiden. Es kommt nicht nur darauf an, was ein Arzt seinem Patienten sagt, sondern auch darauf, wie er es ihm sagt.

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Montag, 8. Oktober 2012

Studie: Kommunikation beeinflusst Lebensqualität und Therapieerfolg

Worte, Zuhören und Verständnis der Behandler stärkt Vertrauen und Compliance

Eine gute Kommunikation zwischen Patienten und Behandlern – also Ärzten, Therapeuten, Psychologen – stärkt die Lebensqualität der Erkrankten lange nach einer stationären Rehabilitation. Dies belegen zwei aktuelle Studien unter der Leitung von Erik Farin-Glattacker von der Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin des Uniklinikums Freiburg, berichtet das Krankenpflegejournal (online, 19.9.2012). Mehr als 1.000 Rehabilitanden mit Brustkrebs und mit chronischen Rückenschmerzen haben an dem Forschungsprojekt teilgenommen. Die Patienten füllten zu Beginn, am Ende und sechs Monate nach einer stationären Rehabilitation mehrere Fragebögen aus. „Die Ergebnisse belegen, dass das Vertrauen in den Arzt und die Zufriedenheit mit der Behandlung die Lebensqualität der Patientinnen ähnlich stark beeinflussen wie der Bildungsgrad, die soziale Stellung und die Erwerbsfähigkeit“, so der Psychologe. Die Studien (DRV-Schriften, Bd 98., 2012, S. 129-135) gehören zum Förderschwerpunkt Chronische Krankheiten und Patientenorientierung, den das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Rentenversicherung Bund sowie die gesetzliche und die private Krankenversicherung initiierten.

Neben einer verständlichen Aufklärung sei, so Farin-Glattacker, die „Passung“ der Beteiligten ein wichtiges Kriterium für eine gelungene Kommunikation. Das heißt: Die Erwartungen des Rehabilitanden sollten zum Verhalten des Behandlers passen, im besten Fall kongruent sein. Der Arzt sollte nachfragen, wie sich der Patient seine Erkrankung erklärt und wie er sich seine weitere Behandlung vorstellt: „Denkt der Patient, dass seine Beschwerden rein körperlich bedingt sind oder ist ihm bewusst, dass er durch sein eigenes Verhalten seinen Gesundheitszustand auch beeinflussen kann? Fühlt der Patient sich unter Umständen erschöpft und hofft auf eine Art von Erholungsurlaub oder ist ihm klar, dass er aktiv am Erfolg der Rehabilitation mitarbeiten sollte?“

Zudem ergab die Befragung, dass die Rehabilitanden sich verstärkt wünschten, der Arzt würde nach ihren Gefühlen fragen, ihren Ausdruck wahrnehmen und dies ansprechen. Farin-Glattacker: „Vor allem Menschen mit Krebserkrankungen suchen stark nach einem emotionalen Halt – Ärzte sollten deshalb empathisch reagieren und sich auch mal zurücknehmen, um einfach nur zuzuhören und zu verstehen, was den Patienten bewegt.“

Quelle: IMABE-Newsletter Oktober 2012

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Mittwoch, 14. September 2011

Studie: US-Geistliche haben positiven Einfluss im Krankenhaus

Gespräche erleichtern seelische Leiden und verbessern Kommunikation mit Patienten

Welchen Nutzen stiften die rund 10.000 Geistlichen in den Krankenhäusern der USA für Patienten, ihre Angehörigen und das medizinisch-pflegerische Personal? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer weitgehend qualitativen Pilotstudie über die Rolle von Geistlichen in Palliativ-Behandlungsteams für Kinder – aus der Sicht von Ärzten und den Geistlichen selbst. Die im Journal of Palliative Medicine (2011; 14(6): 704-707) publizierte Studie wurde im Auftrag des The Hastings Center und des Rush University Medical Center in Chicago durchgeführt.

Im Fokus der durchgeführten Erhebung standen 8 von 28 USA-weit verbreiteten Programmen zur kindbezogenen Schmerzbehandlung (so genannte "pediatric palliative care" ), in die Geistliche strukturell eingebunden waren. Die befragten Chefärzte beschrieben die Arbeit der überwiegend fest am Krankenhaus angestellten Geistlichen so: Als erstes erleichterten sie das geistig verursachte Leiden der jungen Patienten und ihrer Familien. Zweitens verbesserten Gespräche mit den Geistlichen die Kommunikation zwischen den Familien und dem Behandlungsteam über die Ziele der Behandlung.

Drittens vermitteln Geistliche auch den anderen Teammitgliedern eine etwas andere oder aufmerksamere Sichtweise der Behandlung und Behandelten. Umso wichtiger ist daher die Erkenntnis der Untersuchung, dass Geistliche in der Regel zu den gut integrierten Mitgliedern der PPC gehörten.

Die interviewten Geistlichen berichteten, dass sie sich dabei aber mehr auf den Prozess ihrer Arbeit als darauf konzentrierten, wie sie zu besseren Ergebnissen führt. Beide Gruppen waren sich einig, dass es darauf ankommt, gemeinsam im Team zu lernen, wie man den Bedürfnissen der Patienten und ihrer Angehörigen nach seelischer Unterstützung besser entgegen kommt und ihre Erwartungen an Geistliche genauer zu erkennen lernt. Zudem müssen die bei Angehörigen verbreiteten Vorurteile beseitigt werden, nämlich dass Geistliche nur dann präsent wären, wenn der Tod des Kindes kurz bevor stünde, oder dass sie nur als Missionare ihrer eigenen religiösen Überzeugung auftreten würden.

Quelle: Imabe-Newsletter September 2011

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Donnerstag, 17. März 2011

Patientenkommunikation: Schlechte Nachrichten vermitteln

"Leider habe ich keine guten Nachrichten fur Sie...“ Während der Arzt noch nach Worten sucht, ist die Welt für den Patienten zusammengebrochen. Viele Ärzte unterschatzen das. Gute Kommunikation muss im tiefsten Sinn authentisch sein, informieren und dem Patienten emotionale Stabilität geben.

„Unter einer Schock-Diagnose wie etwa Krebs bricht der Patient normalerweise emotional zusammen und ist kognitiv nicht mehr imstande, mehr Informationen aufzunehmen. Nach außen kann er ganz normal wirken, doch die Antennen sind nicht mehr auf Empfang“, erklärt Kommunikationstrainerin Martina Kohlbacher-Hess. Nicht selten beklagen sich die Patienten danach, nicht richtig aufgeklärt worden zu sein. „Bei einem gut geführten Diagnosegespräch können beide profitieren, Arzt und Betroffene“, betont Kohlbacher-Hess. Doch das will gelernt sein.

Ärzte führen im Laufe ihres Berufslebens rund 100.000 medizinische Gespräche mit Patienten. Die Zeit dafür ist in der Regel sehr knapp bemessen. Heute ist klar, welch hohen Stellenwert ein guter Kommunikationsverlauf zwischen Arzt und Patient für die Compliance und den Krankheitsprozess ist.

Mehr Gespräch

Doch nicht jeder Arzt ist von Natur aus ein Kommunikationsgenie. In der technikorientierten modernen Medizin reagieren die Protagonisten erst langsam darauf, dass gute Kommunikation und das Vertrauen zum Arzt einen erheblichen Faktor des Therapieerfolgs ausmachen. Auch Ärzte leiden unter der „Entmenschlichung“ ihrer Profession – der Trend, dass der Einsatz von medizintechnischen Untersuchungen finanziell besser abgegolten wird als die zeitliche Widmung am Patienten, ist leider ungebrochen. Immerhin wurde in der heimischen Medizinerausbildung das Fach Kommunikation vor Kurzem eingeführt.

Dass Ärzte sich bei der Vermittlung von schwierigen Diagnosen kaum eingestehen, selbst emotional betroffen zu sein, sieht Psychologin Kohlbacher-Hess, die auch als Lehrbeauftragte am Zentrum für Management und Qualität im Gesundheitswesen an der UMIT und an der DonauUniversität Krems tätig ist, als einen besonders heiklen Punkt. Die Patienten wünschen sich zunächst vor allem klare Informationen, kein Mitleid oder schonende Aussagen. Kohlbacher-Hess: „Ärzte geben zu, dass sie sich davor fürchten, schlechte Nachrichten überbringen zu müssen. Da kann es passieren, dass man dann den Patienten möglichst schnell wieder draußen haben will. Viele glauben auch, dass mithilfe von Halbwahrheiten Trauerarbeit geleistet werden könne. Das ist allerdings der falsche Weg, der oft zu Überforderung und infolge in ein BurnOut führt.“

Auch Talent benötigt Schulung

Vielfach verfügen Helfer nicht ausreichend über die nötige Erfahrung oder das Wissen, was im Kontakt mit traumatisierten Personen zu tun und besser nicht zu tun ist.

Nach Kohlbacher-Hess’ Erfahrung braucht es mehr Information und Schulung, um sich als Arzt oder Ärztin einfacher Tatsachen aus der Psychologie und der Trauerarbeit bewusst zu werden. Und: Das Erlernen von Techniken alleine genügt dabei nicht, ergänzt die Ethikerin Mag. Susanne Kummer vom Wiener Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE): „Ein Arzt ist ein guter Arzt, wenn er sich als Mensch gefordert weiß und sich nicht bloß in einer Rolle sieht, die er äußerlich zu erfüllen hat.“ Darin liegt der ethische Anspruch einer guten Kommunikation: „Sie muss im tiefsten Sinn authentisch sein.“ In ihren Seminaren erarbeiten KohlbacherHess und Kummer verschiedene Aspekte der Arzt-Patient-Kommunikation. Wie viel Wahrheit verträgt ein Patient? Eine Antwort lautet: Jede Wahrheit, die Frage ist nur, in welcher Form sie vermittelt wird.

Information stabilisiert

Zum einen braucht der Patient vom Arzt Information in dosierter Form. Das ist die erste Erwartung an den Arzt: Sachinformation. In einer Krise haben Betroffene kaum Zukunftsperspektiven. Da ist Information unheimlich wichtig. Sie stabilisiert. Der Arzt muss sicherstellen, ob der Patient verstanden hat, was ihm gesagt wurde. KohlbacherHess: „Ich höre oft von Patienten Klagen, dass ihnen der Arzt nicht die komplette Diagnose gesagt hat. Das erklärt sich aus einem großen Teil daraus, dass der behandelnde Arzt den emotionalen Schockzustand nicht mitberücksichtig hat.“ Später recherchieren die Betroffenen dann im Internet, anstatt den Arzt direkt zu fragen.

Da könnten schon einfach Dinge helfen, wie etwa nach dem ersten Gespräch zu sagen: „Kommen Sie doch in zwei Tagen wieder, bringen Sie einen Menschen mit, den Sie vertrauen, und dann besprechen wir alles Weitere in Ruhe.“ Es ist außerdem wichtig, die Angehörigen in Krisensituationen mit einzubinden und zu wissen, ob der Patient Begleitung und Stütze hat. Auch sollte der Arzt das Gespräch struktur i e r t führ en, Blickkontakt mit seinem Patienten halten und alle notwendigen Informationen verständlich vermitteln.

Emotionen berücksichtigen

Für den Patienten sind Pausen wichtig. Er muss die Möglichkeit haben, das Gesagte zu verarbeiten und Fragen zu stellen. Durch Gesprächstechniken, die leicht erlernbar sind, kann hier viel Qualität in der Arzt-PatientKommunikation eingebracht werden.

Das zweite wichtige Feld ist das Wissen um den Einfluss von Emotionen und den richtigen Umgang damit. Die Wissenschaft spricht von Gefühlsansteckung (social referenzing), damit ist gemeint, dass Gefühle und Affekte unbewusst übernommen werden, und zwar ohne von Einsicht kontrolliert zu sein. Dieses Phänomen ist gerade bei Helferberufen häufig. „Der Arzt braucht Empathie, aber er braucht auch Abgrenzung. Und vor allem muss er sich klar sein, wo seine Handlungskompetenz zu Ende ist.

Nämlich dort, wo es um die Trauerarbeit des Patienten geht. Die kann ihm niemand abnehmen – auch nicht der Arzt“, erklärt Kummer. Hier heißt es, rechtzeitig CopingStrategien einzusetzen. Was nicht bedeutet, dass Mediziner keine Gefühle zeigen dürfen: „Ein Arzt, der weint, wenn ein Patient, zu dem er eine lange Beziehung hatte, stirbt, ist ein ganz normaler Mensch.“

Quelle: Ärzte-Magazin 04/2011

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Dienstag, 2. November 2010

Umgang mit Fehlern

Wie sage ich es meinem Patienten? Murphys Gesetz lautet in der bekannten Form: Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen. Umgelegt auf die Medizin heißt das: Jeder wird früher oder später mit Fehlern und Fehlleistungen konfrontiert.

Ärzte dürfen keine Fehler machen, das haben wir schon in unserer Ausbildung gelernt. Im traditionellen Verhältnis einer Fehler-(Un)Kultur lautet deshalb nicht selten die Devise nach Bekanntwerden eines Fehlers: Besser nichts reden, Vorwürfe zurückweisen und nur noch fragen: Wo ist der Schuldige?

Für den Patienten ist trotz guter Aufklärung das Eintreten eines unerwünschten Ereignisses oft schwer zu verstehen, vor allem dann, wenn ein Schaden offensichtlich wird oder der Verdacht einer Schädigung aufkeimt. Spätestens dann steht die Fehlerkultur der Organisation auf dem Prüfstand.

Die Kommunikation mit dem Patienten

Wenn es im Rahmen einer Institution keine klaren, verbindlichen Definitionen über die verschiedenen, möglichen und unerwünschten Begleiterscheinungen einer Behandlung gibt und wenn keine Einigkeit darüber besteht, welche von diesen mit dem Patienten zu besprechen sind, dann gibt es rasch Probleme. Der Patient erwartet sich den optimalen Verlauf einer Behandlung, der Arzt wiederum geht davon aus, dass der Patient über alle Komplikationen ohnedies Bescheid weiß, und denkt vielleicht im Stillen: Jetzt ist eben eine Komplikation eingetreten, was muss ich da noch viel erklären? Folge ist, dass der Patient nicht ausreichend oder gar nicht informiert wird. Doch er schöpft häufig am Verhalten der Ärzte (der Operateur erscheint vielleicht nicht mehr) und des Pflegepersonals, am komplikationsreichen Genesungsverlauf Verdacht, dass hier etwas schief gelaufen sein muss. Ist das Vertrauensverhältnis erst einmal gestört, ist der Vertrauensverlust meist nicht wieder gut zu machen.

Sechs Kriterien einer patientenorientierten Kommunikation

Damit es nicht so weit kommt, braucht es klare Vorgaben, worin eine adäquate Fehlerkultur besteht und wie sie sich in der Kommunikation mit dem Patienten zeigen muss.

Rasches Handeln
Nach einer raschen, möglichst umfassenden Faktensammlung soll das erste Gespräch frühzeitig, innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgen, vorausgesetzt, der Patient ist physisch und psychisch in der Lage, diese Information zu verkraften.

Vertrauen wiederherstellen
Der Patient ist in der Regel bereits verunsichert, er ahnt Schlimmes und ist entsprechend emotional aufgeladen. Es ist verständlich, dass ein vom Patienten vermutetes Ereignis, das nicht angesprochen oder entsprechend erklärt wird, einen starken Anreiz für eine Beschwerde oder Klage darstellt. Ein mitfühlendes und ehrliches Gespräch in geordneter Umgebung ist der erste und so wichtige Schritt, der oft am schwersten fällt.

Den objektiven Schaden minimieren
Hier geht es um die Zusicherung gegenüber dem Patienten, dass alles getan wird, um die Schädigung zu mildern und weitere Schäden zu vermeiden.

Mut zu Wahrheit
Die Angst davor, womöglich einen Behandlungsfehler einzugestehen und mit einer Klage rechnen zu müssen, spielt für den Arzt eine wesentliche Rolle, so dass solche Gespräche unbefriedigend verlaufen können. (Das Eingeständnis eines Fehlers kann zum Ausschluss der Haftpflichtversicherung führen!) Die ersten Erklärungen sollen sich deshalb auf Fakten beschränken: was vorgefallen ist, wie sich das Ereignis auf den Patienten auswirken wird, sowohl unmittelbar als auch hinsichtlich der Prognose. Aber keine Analysen, Vermutungen oder Schuldzuweisungen! Eine offene und ehrliche Kommunikation beinhaltet auch, dass glaubhaftes Bedauern zum Ausdruck gebracht wird.
Wenn es sich jedoch um einen offensichtlichen und eindeutig zuschreibbaren Fehler handelt, muss der Arzt diesen Fehler eingestehen und die Zusicherung abgeben, dass alles getan wird, um lückenlos aufzuklären, warum es zu diesem Fehler gekommen ist.

Bereitschaft für Fehlerwiedergutmachung zeigen
Es ist Aufgabe des Arztes, genauestens darüber zu informieren, wie eine Schadenswiedergutmachung aussehen könnte.

Angehörige mit einbeziehen
Bei Kindern geschieht das selbstverständlich immer, bei Erwachsenen nur nach Rücksprache mit dem Patienten.

Doz. Dr. Titus Gaudernak ist FA für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Wien

Quelle: Ärzte Woche 43/2010

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Montag, 21. Juni 2010

IMABE-Aktuell: Fachjournal Imago Hominis widmet sich „E-Kommunikation und Medizin“

Die Medizin steht durch den Einsatz und die Nutzung digitaler Informationstechnologien von Ärzten und von Patienten mitten in einem Umbruch. Welchen Einfluss haben die Informationsmedien auf die individuelle und kollektive Kultur des Umgangs mit Gesundheit und Krankheit? Wie verändert sich die Arzt-Patienten-Beziehung durch das Aufkommen des „Internet-Doktors“? Steigen die Qualität der Information und damit der therapeutische Nutzen für den einzelnen Patienten durch höheren Datenfluss und Abspeicherung? Wie steht es mit dem Datenschutz?

Diesem Thema widmet sich die Autoren der kommenden Ausgabe von Imago Hominis „E-Kommunikation und Medizin“. Der Mediziner und Ethiker Stephan Sahm (Ketteler-Krankenhaus Offenbach/D) analysiert darin das durch den „Internet-Doktor“ veränderte Arzt-Patienten-Verhältnis. Vertrauen sei die Voraussetzung jeder gelingenden Beziehung von Patient und Arzt. Die Verpflichtung und die Fähigkeit, eine Diagnose stellen zu können/zu müssen gründet in der Erfahrung des anderen und seines Leidens – eine Aufgabe, die kaum per Mausklick erfüllt werden könne. Im Blick auf die (vorschnelle) Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse fordert Sahm ein „Prinzip der Verlangsamung“. Neues dürfe erst nach eingehender wissenschaftlicher Diskussion und Prüfung empfohlen werden.

Der Philosoph Rafael Capurro (dzt. University Wisconsin) analysiert den Wandel der Medizin 2.0 anhand der Begriffe wie Informationsüberflutung, Interaktivität und Selbstdarstellung. Er analysiert das neue Verständnis des menschlichen Leibes aus digitaler Perspektive als ein Paket digital einsehbarer, durch digitale Methoden, Instrumente und/oder Netze manipulier- und steuerbarer Daten.

Die Einnahme mehrerer Arzneimittel führt oftmals zu unerwünschten und sogar gefährlichen Nebenwirkungen. Kann die elektronische Überwachung von Arzneiverordnungen dieses Problem verhindern? Einerseits ja, sagt der Klinische Pharmakologe Eckhard Beubler (Medizinische Universität Graz), wenn es um das Verhindern von Doppelverschreibungen geht, ein Problem, dass durch die Schwemme von Generika neue Dimensionen angenommen hat. Zurückhaltend ist Beubler andererseits angesichts der Wechselwirkungen bei älteren Medikamenten. Deren Informationsinhalte würden in den elektronischen Karteien kaum regelmäßig ergänzt, hier blieben Lücken im System.

Die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) wird in Österreich sehr kontroversiell diskutiert. Lukas Stärker (Österreichische Ärztekammer) zeigt auf, warum trotz kostenaufwendiger Analysen und Studien ELGA noch immer auf keinem soliden Fundament steht und legt dar, welche Fragen noch offen sind.

Wenn das Thema Datenschutz im Rahmen von E-Health Projekten nicht erfolgreich gelöst wird, würde das Projekt seine Akzeptanz verlieren und hätte nur wenige Chancen auf eine erfolgreiche Umsetzung – zu Recht, wie der Datenschutzexperte Klaus Schindelwig (TILAK, Innsbruck) betont. Er fordert unter anderem ein Recht des Patienten auf „elektronisches Vergessen“, also das Löschen nicht mehr relevanter medizinischer Daten.

Die Imago Hominis-Ausgabe 2/2010 mit dem Schwerpunkt „E-Kommunikation und Medizin“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1384 und kann als Einzelheft um EUR 10,– bezogen werden.

Quelle: IMABE-Newsletter Juni 2010

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