Montag, 15. September 2014

Studie: Öffentliches Rauchverbot schützt auch Gesundheit von Kindern

WHO warnt vor E-Zigarette für Jugendliche als „Tor zum Rauchen“

Raucher sterben früher. Laut einer aktuellen im BioMedCentral (doi:10.1186/1741-7015-12-59) publizierten Studie verliert ein Mann, der über zehn Zigaretten pro Tag raucht, 9,4 Jahre an Lebenserwartung, eine Frau 7,3 Jahre. Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag würde laut Studie die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre reduzieren. 

Weltweit sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens. Rund 165.000 davon sind Kinder (vgl. IMABE 2010: Jährlich 600.000 Tote durch Passivrauchen). Bereits 16 Prozent der Weltbevölkerung ist heute durch Gesetze vor einer Passivrauchexposition geschützt. Die halbherzige österreichische Lösung – getrennte Bereiche für Raucher und Nichtraucher in der Gastronomie – bietet keinen ausreichenden Schutz für Nichtraucher (vgl. IMABE 2013: Public Health: Billiges Rauchen hat teure Folgen). Die neue SP-Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser will mit Ausnahmen vom Rauchverbot in der Gastronomie Schluss machen. In fünf Jahren soll der Stichtag sein (vgl. Standard, online, 2. 9. 2014). 

Rauchverbote in der Gastronomie, an öffentlichen Orten und Betrieben wirken sich positiv auf die Gesundheit der Bevölkerung aus – nicht nur bei Erwachsenen. Eine im Lancet veröffentlichte Meta-Analyse (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60082-9) zeigte, dass die Zahl von Frühgeburten und schweren Asthmaerkrankungen bei Kindern dank öffentlicher Rauchverbote zurückgeht. Tendenziell wurden weniger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht geboren. Tabakkonsum gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Frühgeburten und Asthmaleiden. Die elf vom Forscherteam rund um Jasper Been vom Medizinischen Zentrum der Universität Maastricht untersuchten Studien aus den USA und Europa (2008 bis 2013) umfassten 2,5 Millionen Geburten und 250.000 Asthmaanfälle, die in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Der Effekt des Schutzes zeigt sich rasch: Innerhalb nur eines Jahres nach Erlass eines Rauchverbots sank die Zahl an Frühgeburten und schweren Asthmafällen um jeweils mindestens zehn Prozent. 

Als Fehlentwicklung kritisiert die WHO nun die irreführende Werbung für elektronische Zigaretten. Sie werde als harmlosere Variante des Rauchens verkauft, könne aber als „Tor zur Nikotinsucht“ letztlich auch den Tabakkonsum junger Leute steigern, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 26. 8. 2014). Der Konsum der elektronischen Zigaretten, bei denen anstelle von Tabak aromatisierter und meist mit Nikotin angereicherter Dampf inhaliert wird, stelle außerdem für Föten und Heranwachsende eine „ernsthafte Gefahr” dar und könne langfristig zu Hirnschäden führen, erklärte die WHO. Sie fordert daher ein Verbot des Verkaufs von E-Zigaretten an Minderjährige. 

Seit der Einführung der E-Zigarette im Jahr 2005 durch einen einzelnen chinesischen Hersteller sind nach WHO-Angaben mehr als 460 Marken in über 60 Ländern in die Produktion gegangen. Angeboten würden inzwischen fast 8.000 Geschmackssorten, der weltweite Umsatz betrage schätzungsweise drei Milliarden Dollar (2,27 Milliarden Euro).

Foto:  Dörthe Huth / pixelio.de

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Montag, 16. Januar 2012

Großbritannien: Assistierter Suizid bei Lebenserwartung unter 12 Monaten?

Euthanasie-Vorstoß selbst ernannter „unabhängiger“ Kommission sorgt für Wirbel

Ein neuer Vorstoß für Sterbehilfe sorgt in Großbritannien für eine Kontroverse. Nach dem am 4. Jänner 2012 veröffentlichten Vorschlag einer Kommission, die unter der Leitung von Lordkanzler Lord Falconer für eine Gesetzesänderung eintritt, sollen Volljährige, die unheilbar krank sind und eine Lebenserwartung von weniger als einem Jahr haben, einen assistierten Suizid wählen können.

Die Commission on Assisted Dying bezeichnet sich selbst als „unabhängig“. Ein Blick auf die Zusammensetzung der elf Kommissionsmitglieder sowie die Finanzierung zeichnet ein anderes Bild: Acht Mitglieder gelten als klare Pro-Euthanasie-Vertreter. Das Gremium war von der Vereinigung Dignity in Dying aufgestellt worden, die bereits dreimal im britischen Parlament mit dem Vorschlag einer Einführung der Möglichkeit eines assistieren Suizids, zuletzt im Jahr 2009, gescheitert war. Berichten zufolge hatte die Kommission, die u. a. vom schillernden Schriftsteller Sir Terry Pratchett finanziert wird, der öffentlich für Euthanasie bei Menschen mit Demenz eintritt, über ein Jahr hinweg 1.300 Stellungnahmen ausgewertet.

In einem Kommentar über die Hintergründe der selbst ernannten Kommission kritisiert Peter Saunders, Vorsitzender der NGO Care Not Killing, scharf die von Falconer ernannte Gruppe. Sie habe Kritiker des assistierten Suizids von vornherein ausgeschlossen (vgl. Dailymail, online, 5.1.2012).

Dies sei auch der Grund, warum mehr als 40 Organisationen, darunter die Britische Ärztekammer, die mehr als 140.000 Ärzte vertritt, eine Zusammenarbeit am Report verweigert hatten. 95 Prozent der britischen Palliativmediziner und die überwältigende Mehrheit der Ärzteschaft sei gegen eine Gesetzesänderung – und wurde von Falconers Kommission ignoriert (vgl. Blog von Peter Saunders). Neben der Ärzteschaft haben sich die anglikanische Church of England und katholische Vereinigungen scharf gegen eine Legalisierung des assistieren Suizids ausgesprochen.

Quelle: IMABE-Newsletter Jänner 2012

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