Imago-Hominis-Vorschau: Ethik in der Pädiatrie
Labels: Eltern, Imago Hominis, Kinder, Krankheit, Pädiatrie, Schmerz
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WHO warnt vor E-Zigarette für Jugendliche als „Tor zum Rauchen“
Labels: Gefundheit, Kinder, Lebenserwartung, Rauchen, Rauchverbot, Studie
70 Prozent blieben traumatische Erfahrungen überhaupt erspart
Labels: Kinder, Österreich, Pädiatrie, Psychiatrie, Psychopharmaka
Positives Selbstbild und soziale Interaktion durch Sport sind protektive Faktoren
Schwächere Hustenreflexe verhindern Abwehr von Pathogenen aus der UmweltÄrzte beobachten schon länger, dass Kinder, deren Eltern oder ein Elternteil rauchen, häufiger krank sind. Sie leiden dabei oft an Infektionen wie Pneumonie oder Bronchitis. Ebenso greifen sie im Jugendalter signifikant häufiger zur Zigarette als ihre Altersgenossen aus nicht rauchenden Elternhäusern und sind somit langfristig einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt. Die Autoren aus Philadelphia unter der Leitung von Paul Wise wollten aber den genauen Mechanismus klären, der hinter diesen Beobachtungen steckt. Sie wussten, dass der Hustenreflex erwachsener Raucher abgeschwächt ist und wollten überprüfen, ob dies auch bei passiv rauchenden Kindern der Fall und somit Ursache für die häufigeren Infektionsraten ist.
Dazu ließen sie ihre Probanden im Alter zwischen 10 und 17 Jahren über ein spezielles Inhaliergerät Capsaicin einatmen, das einen Hustenreflex auslöst, erhöhten sukzessive die Dosis und maßen die Schwellendosis, bis die Kinder zweimal gehustet hatten.
Es stellte sich heraus, dass die passiv rauchenden Kinder im Vergleich zu den nicht exponierten Altersgenossen eine doppelt so hohe Dosis Capsaicin für ein zweimaliges Husten benötigten. Damit lag ihre Schwellendosis in einem ähnlichen Verhältnis wie bei ihren rauchenden Eltern. Die Forscher meinen, ein wenig sensibler Hustenreiz könnte Kinder rauchender Eltern daran hindern, Pathogene aus der Umwelt abzuwehren, womit sich ihr Risiko für eine Lungenerkrankung erhöht. Außerdem verdeutliche die Studie, dass ein passiv rauchendes Kind auch dann gefährdet ist, wenn es nicht hustet, also den Eltern gesund erscheint.
Quelle: IMABE-Newsletter September 2012
Verfügbarkeit von nicht-invasiven genetischen Tests erhöht Druck auf Ärzte und Eltern„Ich kann schwerlich nachvollziehen, dass Eltern sich in den Zeugenstand begeben, um ihren Kindern zu bestätigen, dass diese nicht hätten geboren werden sollen“, sagt Rabbi Avraham Steinberg von der Hebrew University-Hadassah Medical School in Jerusalem. „Was bedeutet dies wohl für die Psychologie dieser Kinder?“. Der gegenwärtige Trend in Israel geht allerdings dahin, dass die Kinder mit Behinderungen selbst Schadenersatz für ihre von ihnen nicht gewollte Existenz einklagen.
Diese bedenkliche Entwicklung wird durch die in Israel sehr populäre pro-genetische Testkultur verstärkt. „Es gibt da ein ganzes System – wobei es um viel Geld geht -, das die Forderung nach einem perfekten Baby unterstützt“, sagt die Juristin und Medizinethikerin Carmel Shalev von der Universität von Haifa. „Alle wollen da mitnaschen – Eltern, Ärzte, Labors: Die Eltern wollen ein gesundes Baby, die Ärzte raten zu den Tests, und so mancher genetischer Test kommt viel zu früh auf den Markt. Gentests bringen einen Haufen Geld, werden aber zu viel und sogar missbräuchlich eingesetzt“, kritisiert Shalev.
In Israel sind bei genetischen Tests, Embryonenforschung, Klonen usw. kaum gesetzliche Schranken gesetzt, auch Spätabtreibung (nach der 22. Woche bis zu Geburt) ist erlaubt. In Österreich wurde ein Schadenersatzanspruch des (behinderten) Kindes im Hinblick auf das unerwünschte eigene Leben ("wrongful life") durch den OGH in einer Entscheidung aus dem Jahr 1999 ausgeschlossen. Dass die neuen Möglichkeiten auch eine neue ethische Debatte fordern, wurde jüngst in Nature diskutiert (2011: 478, 440 (2011), doi:10.1038/478440a). Die steigende Verfügbarkeit von nicht-invasiven genetischen Tests erhöhe den Druck auf Eltern und Ärzte.
Quelle: IMABE-Newsletter November 2011
Labels: Geburtsdefekt, Israel, Kinder, Klage, Schadenersatz
Berlin – Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche in Deutschland sind oft ineffektiv und erreichen die Zielgruppe nicht. Das berichteten sieben Experten den Fachpolitikern der fünf Bundestagsfraktionen auf einer öffentlichen Anhörung der Kinderkommission (Kiko) des Deutschen Bundestages zum Thema „Prävention, Ernährung, Palliativmedizin und Hospize“.
Labels: Kinder, Prävention, Public Health
Etwa jeder hundertste Todesfall pro Jahr ereignet sich als Folge des Passivrauchens, das jährlich weltweit mehr als 600 000 Menschenleben fordert. Unter diesen Toten finden sich etwa 165 000 Kinder. Dies folgert ein bereits vorab online veröffentlichter aktueller Artikel, verfasst von Dr. Annette Prüss-Ustün und Kollegen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Die Studie ist die erste, die das globale Ausmaß des Passivrauchens bewertet.
Labels: Kinder, Public Health, Rauchen
In den USA leben einer Untersuchung zufolge möglicherweise fast eine Million Kinder mit einer falschen Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsyndroms (ADHS). Betroffen seien vor allem die jüngeren Kinder aus einer Jahrgangsstufe, sagt Studienleiter Todd Elder von der Universität Michigan (Pressemitteilung online, 17. 08. 2010) Bei den jüngsten Kindergarten-Kindern eines Jahrgangs etwa werde im Schnitt 60 Prozent häufiger ADHS diagnostiziert als bei den Gruppenältesten. Bei Schulkindern sei der Anteil sogar bis zu doppelt so hoch. Die Diagnose werde zwar häufig von einem Arzt gestellt, oft aber auf Veranlassung der Erzieher oder Lehrer. „Aber die ‚Symptome’ könnten einfach nur die emotionale und geistige Unreife der jüngeren Kinder widerspiegeln“, erläutert Elder in der nun im Journal of Health Economics (2010; 29: 657-673) publizierten Studie. Die Wissenschaftler werteten für die Untersuchung die Daten von 12.000 Kindern aus. Die Arzneimittelkosten allein für die mutmaßlich falschen Diagnosen bezifferten die Autoren der Untersuchung auf 320 bis 500 Millionen Dollar (250 bis 390 Millionen Euro). Das staatliche Gesundheitssystem Medicaid werde dadurch mit bis zu 90 Millionen Dollar belastet. Zudem sind die Langzeitwirkungen einer Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka nicht gut erforscht. Unter dem Titel „Sind wir alle hyperaktiv?“ beleuchtet die FAZ (online, 19. 08. 2010) weitere Hintergründe zur Studie.
Quelle: IMABE-Newsletter September 2010
Labels: ADHS, Kinder, Medikamente
Kinder von Alleinerziehenden bekommen wesentlich häufiger Medikamente verordnet
ADHS-Kinder kommen fast zur Hälfte aus Eineltern-Familien oder aus Familien der sozialen Unterschicht. Dies stellten schwedische Public Health-Forscher fest, die die Ergebnisse ihrer Untersuchung nun in der Acta Paediatrica (2010; 99: 920-924) veröffentlichten. Anders Hjern vom Centre for Health Equity Studies (CHESS) in Stockholm und seine Mitarbeiter untersuchten die Verordnungen von Ritalin und anderen Therapiearzneien bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Da in Schweden sämtliche Geburten mit einer Identifikationsnummer versehen werden, kann die Abgabe dieser rezeptpflichtigen Medikamente mit der Personennummer verglichen werden.
Die Forscher stellten dabei fest, dass Knaben stärker betroffen sind als Mädchen. Sie erhalten dreimal häufiger ein Medikament. Mütter mit der geringsten Schulbildung hatten zu 130 Prozent häufiger ein Kind mit ADHS als besser ausgebildete Mütter; Kinder von Alleinerziehern bekamen bis zu 54 Prozent häufiger ein ADHS-Medikament verordnet als Kinder, die mit beiden Elternteilen wohnten. Auch der Empfang von Sozialhilfe in der Familie erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer ADHS-Medikation um 135 Prozent. Nach den Berechnungen der Forscher erklärt ein niedriges Bildungsniveau der Mutter 33 Prozent aller ADHS-Erkrankungen. Weitere 14 Prozent konnten auf den Faktor alleinerziehender Elternteil zurückgeführt werden.
Die Forscher führen die höhere Rate von ADHS in Familien mit sozioökonomischen Problemen darauf zurück, dass Mütter mit geringer Bildung auch häufig in anderen Bereichen benachteiligt sind: Stress und häufig eher schwieriger erziehbare Kinder, Geld- und Zeitmangel sowie Mangel an sozialer Unterstützung würden dies noch verstärken. Familiäre Konflikte, Trennung, Scheidung und Abwesenheit eines Elternteils sind Faktoren, die ebenfalls eine Rolle spielen.
Quelle: IMABE-Newsletter Juni 2010Labels: ADHS, Familie, Kinder, Medikamente
Zu viel Fernsehen schadet Kindern laut Studie nachhaltig
Immer mehr deutsche Kinder leiden an Übergewicht und werden immer unbeweglicher. Laut einer aktuellen Forsa-Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) erklären 96 Prozent der befragten Mediziner, dass die Anzahl der Buben und Mädchen mit Übergewicht in den letzten 10 Jahren stark (57 Prozent) beziehungsweise etwas (39 Prozent) gestiegen ist. Fast die Hälfte aller Sechs- bis Zehnjährigen sei zu dick, so die Studie. Die meisten motorischen Defizite haben mit 61 Prozent bereits Kleinkinder zwischen drei und fünf Jahren. 87 Prozent der Mediziner stellen fest, dass auch dieses Problem zugenommen hat. Im Praxisalltag beobachten die meisten Kinderärzte Koordinationsprobleme und fehlende Ausdauer. Probleme beim Rückwärtslaufen oder Schwierigkeiten beim Ballfangen stellt knapp die Hälfte fest.
Dass zu viel Fernsehen Kindern nachhaltig schadet, hat nun auch eine kanadische Langzeitstudie untermauert. „Die frühe Kindheit ist eine entscheidende Zeit für die Entwicklung des Gehirns und die Entstehung von Verhalten“, erläuterte Studienleiterin Linda S. Pagani von der Universität Montreal. Wenn Kleinkinder zu viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, wirkt sich das langfristig negativ aus, so die im Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine publizierten Studie (2010; 164(5): 425-431). Die Forscher zeichneten im Rahmen der Quebec Longitudinal Study of Child Development das Fernsehverhalten von 1.314 Kindern zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren auf und brachten sie in Relation mit dem Verhalten der Kinder als 10-Jährige. Bei mehr als zwei Stunden Fernsehkonsum im Kleinkindalter haben diese Kinder mit zehn Jahren in der Schule eher Probleme, ernähren sich schlechter, sind eher übergewichtig als ihre Altersgenossen und neigen auch noch als Zehnjährige zu weniger Bewegung. Eltern sollten den entsprechenden Richtlinien der amerikanischen Akademie für Kindermedizin folgen: Diese empfiehlt so wenig TV-Konsum wie möglich für Kinder unter zwei Jahren, für Kinder generell nicht mehr als zwei Stunden täglich.
Quelle: IMABE-Newsletter Mai 2010
Labels: Kinder, Public Health, Übergewicht