Dienstag, 8. Juli 2014

Studie: Aufwachsen bei leiblichen Eltern minimiert Traumarisiko für Kinder

70 Prozent blieben traumatische Erfahrungen überhaupt erspart

Der Einfluss von Familie als positiver als auch negativer Determinante von Gesundheit ist bekannt. Traumatische Kindheitserlebnisse können lange nachwirken, mit schweren gesundheitlichen Langzeitfolgen. Eine US-amerikanische Studie verglich nun das Risiko eines traumatischen Erlebnisses in der Kindheit mit der Familienkonstellation. Das Ergebnis der im National Health Statistics Reports publizierten Studie (2014; 74: 7): Kinder, die mit ihren leiblichen Eltern lebten, hatten das geringste Risiko, traumatische Erfahrungen machen zu müssen.

Die vom Center for Disease Control and Prevention durchgeführte Studie beruht auf einer im Auftrag des US-Gesundheitsministeriums geplanten landesweiten Untersuchung im Zeitraum 2011/12 zur Gesundheit von Kindern. Es wurden 95.677 Umfrageinterviews in Haushalten mit Kindern zwischen 0 und 17 Jahren durchgeführt. Mit traumatischer Erfahrung wurden in der Studie benannt: Erleben von Scheidung oder Trennung der Eltern, Tod eines Elternteils, Inhaftierung eines Elternteils; Erleben von psychischen Krankheiten in der Familie, Alkohol- oder Drogenmissbrauch; von häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch, Gewalt in der Nachbarschaft, Rassismus und Armut.

70 Prozent der Kinder, die bei beiden biologischen Eltern leben, sind laut den Autoren traumatische Erfahrungen überhaupt erspart geblieben. In anderen familiären Konstellationen sieht die Situation wesentlich ungünstiger aus. 78 Prozent der Kinder, die bei nur einem biologischen Elternteil leben, mussten eines oder mehrere dieser traumatischen Ereignisse erfahren. Für Kinder, die bei keinem ihrer biologischen Eltern leben, ist die Lage noch schlechter: 81 Prozent der Kinder in Pflegefamilien oder bei anderen Verwandten waren von einem oder mehreren traumatischen Erlebnissen betroffen, 30 Prozent dieser Gruppe sogar von vier oder mehr Ereignissen.

Insgesamt leben in den USA 63 Prozent der Kinder mit beiden leiblichen Eltern, 22 Prozent leben mit einem Elternteil und 3 Prozent ohne Eltern. Die restlichen, rund 12 Prozent der Kinder gehören Haushalten nicht-biologischer Eltern (Stief- oder Adoptiveltern) an. Diese Gruppe wurde in der Studie nicht berücksichtigt, ebenso wenig das Haushaltseinkommen oder andere demografische Faktoren. Dennoch seien die Zahlen laut Autoren aussagekräftig dafür, dass Kinder in der Obhut der beiden biologischen Eltern am ehesten traumatischen Erfahrungen entgehen können. (vgl. Imabe-Info 2009: Familie und Krankheit)

Foto: © Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Labels: , , , ,

Montag, 17. Oktober 2011

Studie: Familie und Freunde sind wichtig für die eigene Gesundheit


Jeder Zweite verhält sich ungesund, schafft es aber nicht, seinen Lebensstil zu ändern

Freunde oder Angehörige sind hinter dem eigenen Verhalten bei Ernährung und Sport der zweitwichtigste Faktor, der die Gesundheit beeinflusse. Das ergab eine unter 15.000 Erwachsenen in 12 Ländern durchgeführte Online-Umfrage des Edelman Health Barometer 2011 (Pressemitteilung online, 6.10.2011).

Fast die Hälfte (43 %) der Befragten glaubt, dass Freunde und Familie nach "ihnen selbst" den größten Einfluss auf ihren Lebensstil in Bezug auf Gesundheit haben. Mehr als ein Drittel (36 %) glaubt zudem, dass Freunde und Familie den größten Einfluss auf die persönliche Ernährung haben.

Die Umfrage ergab eine "Handlungslücke" zwischen dem Wunsch, gesünder zu sein, und der Fähigkeit, etwas zu ändern. Mehr als die Hälfte der globalen Öffentlichkeit frönt mindestens einer gesundheitsschädlichen Verhaltensweise, wie zum Beispiel schlechte Ernährung, Bewegungsmangel oder Tabakkonsum. Jedoch meinten 62 Prozent der Befragten, dass sie versucht hätten, eine gesundheitsschädliche Verhaltensweise zu ändern. Dabei ist die Hälfte gescheitert, und zwar in erster Linie aufgrund von Sucht/Abhängigkeit und fehlender Freude oder sofortiger Belohnung. Außerdem trug fehlende kontinuierliche Unterstützung seitens Freunden, Familie oder anderen Ressourcen zur Unfähigkeit bei, gesunde Gewohnheiten zu erwerben oder beizubehalten.

Für 44 Prozent der Befragten spielt das Thema Gesundheit keinerlei Rolle in ihrem Umgang mit Freunden und Angehörigen. Es handelt sich dabei vor allem um jene Teile der Bevölkerung, die wenig Gesundheitsbewusstsein haben, sich nicht für diese Themen interessieren und auch Änderungen des Lebensstils weniger lang durchhalten. „Gesundheit - ob gut oder schlecht - ist bildlich gesprochen ansteckend, und es ist die Verantwortung jedes einzelnen, besonders aber von Meinungsbildnern, entsprechend zu handeln“, sagte Nancy Turett, Präsidentin für den Bereich Gesundheit bei Edelman anlässlich der Präsentation der Studie beim 14. European Health Forum in Gastein. Dies wird umso wichtiger, da nach Meinung der Befragten Erwachsenen ab 18 Jahren Wirtschaft und Regierung einen vergleichsweise schwachen positiven Einfluss auf einen gesunden Lebensstil hätten, verglichen mit Einzelpersonen, Familie und Freunden sowie nicht-öffentlichen Organisationen und digitalen Netzwerken zur Gesundheitsinformation.

Quelle: Imabe-Newsletter Oktober 2011

Labels: , ,

Montag, 11. Oktober 2010

Studie: Magersucht besser behandelbar bei Einbindung der Familie

Geschulte Eltern können Kind helfen, seine Essgewohnheiten nachhaltig zu normalisieren

Familientherapie ist bei jungen Anorexia nervosa-Patienten doppelt so wirksam wie eine rein individuelle Psychotherapie. Das ist das Ergebnis einer randomisierten klinischen Studie, die nun im Archive of General Psychiatry (2010; 67(10): 1025-1032; doi:10.1001/archgenpsychiatry.2010.128) veröffentlicht wurde. In dieser auf der Familie basierenden Therapie (FBT), auch als „Maudsley Approach“ bekannt, werden Familien innerhalb eines intensiven ambulanten Programms geschult, wie sie aktiv (etwa durch Begleitung bei jeder Mahlzeit) ihrem Kind helfen können, sein Normalgewicht wieder zu erlangen, zu halten und nachhaltig Essgewohnheiten zu ändern.

Die beiden Studienautoren und Psychiater, Daniel Le Grange von der University of Chicago Medical Center und James Lock von der Stanford University School of Medicine, halten die Einbindung von Eltern in das Therapiekonzept für entscheidend. Laut Autoren sollten stationäre Aufenthalte bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa möglichst vermieden werden. Denn: Viele Jugendliche mit Anorexia nervosa würden den Sprung von der Klinik ins normale Leben nicht schaffen. Es sei wichtig, ihnen zu helfen, sich im häuslichen und realen Umfeld wieder gesunde und normale Essgewohnheiten anzueignen, so Studienleiter Lock. Dazu brauche es die Mithilfe der Eltern.

Dass dies letztlich auch wirksamer ist, legen nun die Ergebnisse ihrer randomisierten Studie nahe. Darin wurden 120 Anorexie-Patienten über 12 Monate entweder nach Ansatz individueller Psychotherapie (adolescent focused individual therapie – AFT), die sich auf Aufarbeitung psychischer Probleme konzentriert, oder nach Ansatz der auf der Mitwirkung der Familie basierenden Therapie (FBT) behandelt. Das Ergebnis: Nach einem Jahr waren mehr als 50 Prozent der Jugendlichen aus der FBT-Gruppe genesen. Sie hatten 95 Prozent ihres normalen Körpergewichts erreicht sowie eine gesunde psychische Einstellung zum Essen. In der Patientengruppe mit individueller Psychotherapie (AFT) gelang dies nur bei 23 Prozent. Bei einer Untersuchung ein weiteres Jahr später waren 40 Prozent der AFT-Patienten rückfällig geworden, in der Gruppe der FBT-Patienten dagegen nur 10 Prozent.

Die positiven Ergebnisse der Studie würden klar zeigen, dass die familienbasierte Therapie „erste Wahl“ sein sollte. Dies sollten Kliniker in Zukunft deutlicher vor Augen haben, betonten die Wissenschaftler.

Quelle: IMABE-Newsletter Oktober 2010

Labels: , ,

Freitag, 18. Juni 2010

Public Health: Schwierige Familienverhältnisse begünstigen ADHS bei Kindern

Kinder von Alleinerziehenden bekommen wesentlich häufiger Medikamente verordnet

ADHS-Kinder kommen fast zur Hälfte aus Eineltern-Familien oder aus Familien der sozialen Unterschicht. Dies stellten schwedische Public Health-Forscher fest, die die Ergebnisse ihrer Untersuchung nun in der Acta Paediatrica (2010; 99: 920-924) veröffentlichten. Anders Hjern vom Centre for Health Equity Studies (CHESS) in Stockholm und seine Mitarbeiter untersuchten die Verordnungen von Ritalin und anderen Therapiearzneien bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Da in Schweden sämtliche Geburten mit einer Identifikationsnummer versehen werden, kann die Abgabe dieser rezeptpflichtigen Medikamente mit der Personennummer verglichen werden.

Die Forscher stellten dabei fest, dass Knaben stärker betroffen sind als Mädchen. Sie erhalten dreimal häufiger ein Medikament. Mütter mit der geringsten Schulbildung hatten zu 130 Prozent häufiger ein Kind mit ADHS als besser ausgebildete Mütter; Kinder von Alleinerziehern bekamen bis zu 54 Prozent häufiger ein ADHS-Medikament verordnet als Kinder, die mit beiden Elternteilen wohnten. Auch der Empfang von Sozialhilfe in der Familie erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer ADHS-Medikation um 135 Prozent. Nach den Berechnungen der Forscher erklärt ein niedriges Bildungsniveau der Mutter 33 Prozent aller ADHS-Erkrankungen. Weitere 14 Prozent konnten auf den Faktor alleinerziehender Elternteil zurückgeführt werden.

Die Forscher führen die höhere Rate von ADHS in Familien mit sozioökonomischen Problemen darauf zurück, dass Mütter mit geringer Bildung auch häufig in anderen Bereichen benachteiligt sind: Stress und häufig eher schwieriger erziehbare Kinder, Geld- und Zeitmangel sowie Mangel an sozialer Unterstützung würden dies noch verstärken. Familiäre Konflikte, Trennung, Scheidung und Abwesenheit eines Elternteils sind Faktoren, die ebenfalls eine Rolle spielen.

Quelle: IMABE-Newsletter Juni 2010

Labels: , , ,