Montag, 6. August 2012

Aids: Umstrittene "Präventions-Pille" in den USA zugelassen

Präparat soll Gesunde schützen, hat aber Nebenwirkungen und ist (zu) teuer

Die Studiendaten sind noch unvollständig, umstritten sind die teuren Truvada-Tabletten auch. Als Kombinationspräparat zur Aids-Therapie war das Mittel bereits zugelassen, nun wurde es über die bisherigen Indikationen hinaus auch als Präventiv-Pille zum Schutz vor HIV-Infektionen in den USA offiziell zugelassen, berichtet Focus (online, 17. Juli 2012).

Die FDA folgte damit der Empfehlung eines Expertenausschusses, der vor rund zwei Monaten geraten hatte, das vom US-Pharmaunternehmen Gilead Sciences produzierte Medikament mit dem Namen Truvada zur Prophylaxe zuzulassen. Zielgruppe sind gesunde Menschen mit hohem Infektionsrisiko – also beispielsweise mit einem HIV-positiven Partner. Die Tabletten müssen täglich eingenommen werden, Kondome der Behörde zufolge aber unbedingt zusätzlich verwendet werden.

Die FDA stützt sich bei der Zulassung vor allem auf zwei Studien, denen zufolge Truvada das Risiko der Ansteckung mit HIV sowohl für heterosexuelle als auch für homosexuelle Menschen deutlich mindert. In einer klinischen Studie mit Truvada hatte sich unter anderem das Infektionsrisiko heterosexueller Partner, von denen einer seropositiv war, um bis zu 75 Prozent verringert. In einer anderen Studie unter homosexuellen Nichtinfizierten sank das Infektionsrisiko um bis zu 73 Prozent.

Die Ankündigung der Zulassung des Medikaments erfolgte medienwirksam knapp vor Beginn der internationalen Aids-Konferenz, die von 22. bis 27. Juli mit rund 25.000 Teilnehmern in Washington stattfand. Von „Meilenstein“ und „Durchbruch“ war die Rede, doch es gab auch harsche Kritik. So sprach Michael Weinstein, Präsident der AIDS Healthcare Foundation, von einer „Katastrophe für die HIV-Prävention“.

Kritiker wie er warnen davor, dass Truvada dazu verleiten könnte, das HIV-Infektionsrisiko zu unterschätzen. Ärzte befürchten, dass HI-Viren resistent gegen Truvada werden könnten. Außerdem weiß man erst wenig über mögliche Spätfolgen etwa für die Nieren- und Knochengesundheit bei einer jahrelangen Einnahme. Die Wirkungsweise der Pille im weiblichen Organismus ist angesichts der Studienausrichtung zu wenig erforscht. Und schließlich seien die Kosten mit rund 800 Euro pro Monat sehr hoch.

Glenda Gray und Neil Martinson von der vorgeburtlichen HIV-Forschungsabteilung der Universität Witwatersrand in Johannesburg weisen darauf hin, dass sich die Versorgung mit HIV-Medikamenten in vielen Gebieten bereits jetzt nicht sicherstellen lasse. Die Programme dafür seien vielfach überfordert, warnten sie soeben im New England Journal of Medicine (2012; 367: 462-465). Ob die europäische Zulassungsbehörde EMEA dem Vorbild der FDA folgen wird, ist offen.

Mehr als 34 Millionen Menschen weltweit leben mit HIV, davon rund 23,5 Millionen in Afrika südlich der Sahara. 2011 infizierten sich 2,5 Millionen Menschen neu mit HIV - ein Fünftel weniger als noch 2001. Doch nicht überall sinken die Neuinfektionszahlen - in Zentralasien, Osteuropa, dem Mittleren Osten und Nordafrika steigen sie sogar, ebenso unter Homosexuellen. Außerdem nehmen die Resistenzen gegen HIV-Medikamente zu. Hilfsorganisationen kritisieren, dass neu entwickelte Medikamente immer noch viel zu teuer sind.

Quelle: IMABE-Newsletter August 2012

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Freitag, 23. Juli 2010

Risken eliminieren statt reduzieren!

Wieso der Faktor „Treue“ bei der Aids-Bekämpfung eine wesentliche Rolle spielt.
Gastkommentar von Dr. Jan Stejskal in der „Presse“ am 23. Juli 2010

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Freitag, 16. Juli 2010

AIDS - Die Infektion und ihre Verbreitung, Prävention und Therapie

Anlässlich des Welt-Kongresses am 18. - 23. Juli 2010 in Wien geben wir zwei neue Imabe-Infos heraus:
AIDS (1) - Die Infektion und ihre Verbreitung
enthält allgemeine Infos zu AIDS und Kurzinformationen über den Stand der Epidemie und der derzeitigen Infektionsrate und Verbreitung.
AIDS (2) - Prävention und Therapie
bietet eine Übersicht über Prävention, Aufklärung und Therapie bei der Bekämpfung von AIDS. Angesichts der geringen Wirksamkeit der derzeitigen Maßnahmen wäre ein Strategiewechsel angebracht.

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Dienstag, 6. Juli 2010

Aids: Verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität ist Schlüssel der Prävention

Wirksame Aids-Bekämpfung fordert globalen Strategiewechsel

Als Ziel für das Jahr 2010 hatte die UNO den universellen Zugang zur HIV-Prävention, Behandlung, Pflege und Unterstützung deklariert. Wie aus dem jüngsten Bericht der UNAIDS hervorgeht wurde trotz partieller Erfolge dieses Ziel klar verfehlt. Täglich infizieren sich 7.400 Personen mit HIV, rund 2,7 Millionen Menschen pro Jahr. In Europa hat sich die jährliche Neuinfektionsrate seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt und stieg von 44 auf 89 Fälle pro Million Einwohner. Angesichts dieser besorgniserregenden Daten sei es höchste Zeit, dass die UNO selbstkritisch ihre bisherigen Bekämpfungsstrategie der HIV-Epidemie überdenke, fordert IMABE-Mitarbeiter Jan Stejskal in seinem aktuellen Kommentar „Aids: Zwischen Mythos, Wahrheit und Fakten“ (in Imago Hominis 2010; 17: 94-98). Stejskal nimmt aus Anlass der Welt-Aids-Konferenz, die vom 18. bis 23. Juli in Wien stattfindet, Argumente und Hypothesen ins Visier, mit denen im Laufe der letzten zwei Dezennien eine Art Aids-Mythologie aufgebaut wurde. Weder Armut, Ausgrenzung, Prostitution oder mangelndes Geld für Aufklärungsprogramme seien das eigentliche Problem, Kondome seien nicht die Lösung, resümiert Stejskal. Zwar habe die antiretrovirale Behandlung wesentliche Fortschritte in der Senkung der Mortalitätsrate gebracht. Entscheidend für eine Eindämmung der Epidemie seien aber Schritte zur Änderung des Sexualverhaltens. Länder wie Uganda oder Kenia hätten gezeigt, dass erst eine Aufklärung, die zugleich einen verantwortungsvolleren Umgang mit Sexualität fördert, die Zahl der Neuinfektionen senken kann. Laut Studien fördere dagegen eine Propagierung von „Safer Sex“ zugleich ein risikoreicheres Sexualverhalten wie Promiskuität, Senkung der sexuellen Hemmschwelle und Zunahme riskanter sexueller Beziehungen.

Die Autoren des Buches „Affirming Love, Avoiding AIDS. What Africa Can Teach the West“ (The National Catholic Bioethics Center, Philadelphia, 2010) – Matthew Hanley, Fachberater für HIV/AIDS bei der Caritas in den USA und der Epidemiologe Jokin de Irala von der Universität Navarra in Spanien – bestätigen, dass aus Sicht der Präventionsmedizin die wirksamste Strategie in der Verhaltensänderung liege. Dabei sollte man die Menschen nicht unterschätzen: Warum meinten denn die Behörden, so fragen die Autoren, in Bezug auf Tabak, Cholesterin, Bewegungsarmut und exzessivem Alkoholkonsum das Verhalten ändern zu müssen, während dies beim Sexualverhalten, das mit einer schweren, potentiell tödlichen Krankheit im Zusammenhang stehe, nicht erforderlich sei? (vgl. Zenit, online 29. 06. 2010).

80 Prozent aller Neuinfektionen mit dem HI-Virus würden durch sexuelle Kontakte passieren, erklärte der Aids-Referent der Caritas Internationalis, Monsignore Robert Vitillo, kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien. Deshalb müsse die Präventionsarbeit auch in diesem Bereich ansetzen – ganzheitlich und mit einem besonderen Fokus auf die Stärkung der Würde der Frau. So habe Südafrika die weltweit höchste Vergewaltigungsrate, ein Großteil der sexuellen Begegnungen geschehe überhaupt ohne Zustimmung der Frauen. Wo Sex als Ware oder Mittel der Macht ausgeübt werde, habe es keinen Sinn, über Kondome als Heilmittel zu reden.

Quelle: IMABE-Newsletter Juli 2010

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Freitag, 18. Juni 2010

AIDS: „Westliche“ Dosierung von Medikamenten lässt sich nicht auf Afrika übertragen

Deutsche Uniklinik entwickelt Methode zur Kontrolle des Medikamentenspiegels

Die Zahl neuer HIV-Infektionen ist in den vergangenen acht Jahren um 17 Prozent zurückgegangen. Die Todesrate hat sich weltweit verringert. Dennoch leben laut Welt-AIDS-Bericht der Vereinten Nationen derzeit 33,4 Millionen HIV-Positive mit dem AIDS-Erreger im Blut. Südafrika weist dabei eine traurige Bilanz auf: Mit 5,7 Millionen HIV-Infizierten und rund 1.000 AIDS-Toten pro Tag erleidet das Land die weltweit schlimmste AIDS-Epidemie. Laut Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi erhalten zurzeit nur 700.000 Menschen Medikamente.

Doch selbst bei jenen, die Medikamente erhalten, ist nicht immer die optimale Therapie gesichert, so Hartwig Klinker, Infektiologe vom Universitätsklinikum Würzburg: „Langfristig hat die Therapie nur Erfolg, wenn die Medikamente im Organismus kontinuierlich in ausreichender Konzentration vorhanden sind.“ (Pressemitteilung, online 25. 05. 2010). Das aber sei nicht immer gewährleistet. Viele Faktoren, etwa gleichzeitig eingenommene andere Arzneimittel oder die Art der Ernährung, können sich ungünstig auf die Konzentration der Medikamente auswirken. Klinker und sein Team haben deshalb eine Methode entwickelt, den Blutspiegel der Anti-HIV-Medikamente bei den Patienten zu überwachen. Damit lassen sich Medikamentenkombination und Dosis so gut auf jeden Patienten anpassen, dass die Effizienz der Therapie deutlich verbessert werden kann.

Die übliche Dosierung der Anti-HIV-Medikamente lässt sich auch nicht ohne weiteres auf Südafrika übertragen. Der Grund: Das Wissen über die Wirksamkeit und Dosierung der Anti-HIV-Medikamente wurde fast nur in den USA und Europa gewonnen, und zwar überwiegend an erwachsenen Männern. In Afrika sind aber wesentlich mehr Frauen von der Infektion betroffen, und es müssen dort auch viele Kinder und Schwangere behandelt werden. Zudem haben die Patienten andere Begleitkrankheiten. Außerdem verstoffwechselt der Organismus von Afrikanern die Medikamente vermutlich anders, als es bei Europäern und Nordamerikanern der Fall ist.

Die spezielle Analytik und die damit mögliche Anpassung der Dosierung der Anti-HIV-Medikamente soll nun deshalb auch in Südafrika etabliert werden – mit Blick auf deren spezifischen Bedürfnisse. Im Mittelpunkt des Projekts stehen HIV-infizierte Kinder, Schwangere und Menschen mit bestimmter Begleitmedikation.

Quelle: IMABE-Newsletter Juni 2010

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Donnerstag, 17. Juni 2010

HIV-Übertragung von Mutter auf Kind beim Stillen lässt sich mit Medikamenten fast immer verhindern

HIV-infizierte Frauen können ihr Baby offenbar praktisch ohne Ansteckungsgefahr stillen, wenn sie in Schwangerschaft und Stillzeit antiretrovirale Medikamente einnehmen. Das ist das Fazit einer Studie mit insgesamt 730 schwangeren HIV-Infizierten aus Botswana, in der ein internationales Forscherteam den Einfluss der Medikamente auf die Übertragungsrate des Virus von der Mutter aufs Kind untersucht hat. Beim Stillen habe es lediglich zwei Fälle gegeben, in denen sich die Kleinen ansteckten, berichten die Wissenschaftler, und auch insgesamt lag die Infektionsrate mit einem Prozent weit unter dem, was frühere Studien gezeigt hatten. Zum Vergleich: Ohne die Therapie infizieren sich mindestens 25 Prozent der Kleinen in den ersten sechs Monaten der Stillzeit. Das Ergebnis zeige, dass HIV-infizierte Frauen nicht unbedingt auf das Stillen verzichten müssten, schreibt das Team.
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Vollständige Nachricht: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/311338.html

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