Dienstag, 18. November 2014

SYMPOSIUM und IMAGO HOMINIS: „Die Sprache des Schmerzes verstehen“

Interdisziplinäre Veranstaltung am Freitag, 5. Dezember 2014 in Wien stößt auf breites Interesse

Die Zahlen erschrecken: 33 Prozent der chronischen Schmerzpatienten in Österreich schlittern bis in die Berufsunfähigkeit, 21 Prozent werden in die Frühpension entlassen. Insgesamt werden die in Österreich jährlich durch chronische Schmerzen verursachten gesamtwirtschaftlichen Kosten auf 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro geschätzt. Was tun? 

Die Sprache des Schmerzes verstehen heißt, den leidenden Menschen als Mensch zu verstehen, in seiner Not, in seinen Lebensbezügen, in seinen Ängsten und auch in seinen Möglichkeiten. Viele Schmerzpatienten haben eine jahrelange Odyssee hinter sich, in der Hoffnung, dass der nächste Arzt eine Art Wundermittel findet, um ihre Schmerzen wegzunehmen – doch dieses Wunder tritt nicht ein. Viele Patienten fühlen sich nicht mehr ernst genommen, zumal gerade beim chronischen Schmerz keine klare körperliche Ursache dingfest gemacht werden kann. 

Die optimale Behandlung von Schmerz erfordert deshalb ein multiprofessionelles und multimodales Vorgehen. In einer rein handlungsorientieren und leistungsorientierten Medizin haben Schmerzpatienten keinen Raum, sie fordern eine zuwendungsorientierte Medizin ein. Das birgt eine Chance: für den Patienten, für seine Umgebung und die Zukunft des Gesundheitswesens. „Die Sprache des Schmerzes verstehen“ lautet das Thema des diesjährigen interdisziplinären IMABE-Symposiums, das am 5. Dezember 2014, 9.00 bis 13.00 Uhr, in Wien stattfinden wird – in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, der Österreichischen Ärztekammer und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger. Dazu wird die Ausgabe zum selben Thema (Band 1) bei der Tagung aufliegen, mit folgenden Themen: 

Patienten mit lange bestehenden, bereits chronifizierten Schmerzen, die häufig auch an psychischen Belastungen und sozialen Problemen leiden, erhoffen sich von invasiven schmerztherapeutischen Interventionen schnelle Erfolge. Vor einer guten Therapie ist jedoch eine exakte Schmerzabklärung nötig, betont Astrid Chiari (Anästhesie, Krankenhaus Barmherzige Brüder, Wien) in ihrem Beitrag. Sie behandelt Möglichkeiten und Grenzen der Schmerztherapie anhand von vier Fällen aus der Praxis. 

Jeder Schmerz hinterlässt eine Erlebnisspur, die spätere Schmerzerfahrungen beeinflusst. Diese wird, so Michael Bach (APR – Ambulante Psychosoziale Rehabilitation, Salzburg), von der Psyche mitbestimmt. Wo ein biopsychosozialer Therapieansatz verfolgt wird, lernen Patienten mit der emotional geprägten Erfahrung von Schmerz besser umzugehen. Eine multimodale Schmerztherapie umfasst deshalb auch sinnvoller Weise psychotherapeutische Interventionen. 

Wie können Schmerzen bei an Demenz erkrankten Menschen erkannt und gelindert werden? Für die Palliativmedizinerin Martina Schmidl (Pflegewohnhaus Liesing, Wien) liegt der Schlüssel im Aufbau einer tragfähigen Beziehung zwischen Behandlern und Patienten. Technik und Routine alleine genügen nicht, man muss und kann das Vertrauen dieser Patienten gewinnen, die auf einer Gefühlsebene in der Regel hochsensibel ansprechbar bleiben. 

Johannes Bonelli (Internist, IMABE) und Susanne Kummer (Ethikerin, IMABE) gehen der heiklen Frage nach, ob Krankheit auch eine heilsame Dimension für den Betroffenen haben kann. Wo ein Sinn gefunden wird, lassen sich auch schwere Umstände im Leben besser tragen. Die Qualität des Umgangs mit dem Leidenden ist auch ein Barometer für Werthaltungen und gelebte Menschlichkeit in der Gesellschaft. 

Die Imago-Hominis-Ausgabe 4/2014 „Die Sprache des Schmerzes verstehen“ (Band 1) findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522 und kann als Einzelheft um € 10,– aus dem Inland (aus dem Ausland fällt das reguläre Porto an) bezogen werden. Der Band 2 enthält weitere Vorträge des Symposiums und Beiträge anderer Autoren, Erscheinungstermin ist Frühjahr 2015. 

Das interdisziplinäre Symposium findet in der AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65 statt, Tagungsgebühr: 30 Euro. Das Programm sowie die Anmeldemodalitäten finden Sie unter IMABE-Veranstaltungen. Anmeldeschluss ist der 21. November 2014.

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Studie: Indikation für Sondenernährung ist streng zu handhaben

IMABE: „Ärzte müssten lernen, Nein zu sagen, wo das Wohl des Patienten es erfordert“

Die PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) zählt zu Routineverfahren, wenn es darum geht, Patienten vorübergehend auf künstlichem Weg mit Nahrungsmitteln und Flüssigkeit zu versorgen. Im Falle von Patienten mit schwerer fortgeschrittener Demenz oder anderen „Near-End-of-Life“-Erkrankungen sollten diese aber nur sehr zurückhaltend angeboten und keinesfalls „aufgezwungen“ werden. Das ist das Ergebnisse einer aktuell in Nutrition in Clinical Practice veröffentlichten Studie (doi:10,1177 /0884533614546890). Die evidenzbasierten Daten würden, so Studienautorin Denise Baird Schwartz vom Providence Saint Joseph Medical Center in Burbank/California, zeigen, dass in dieser Patientengruppe eine Sondenernährung mehr Schaden als Nutzen bringen kann. Zudem könne keine Lebensverlängerung erreicht werden. Die Entscheidung für oder gegen den Einsatz einer PEG-Sonde sollte nicht von einem behandelnden Arzt alleine getroffen werden. Eine eingehende Aufklärung des Patienten und der Angehörigen und Absprache im Behandlungsteam seien in solchen Fällen essenziell. 

„Die Indikation zur Ernährung über eine PEG-Sonde ist sehr streng zu stellen“, betone auch IMABE-Direktor Johannes Bonelli, selbst Internist. „Der Sterbeprozess wird natürlicherweise dadurch eingeleitet, dass die Triebkraft des Patienten, sein Leben zu erhalten, allmählich nachlässt. Anzeichen dafür sind oft ein reduzierter Lebenswille und ein vermindertes Hunger- und Durstgefühl.“ Die Sondenernährung erreicht in diesen Fällen ihre Zielsetzung, nämlich Leiden zu lindern und Leben zu erhalten, in keiner Weise, betont Bonelli. „Im Gegenteil: Der Prozess des natürlichen Sterbens mit langsamer Trübung der Wahrnehmung wird verhindert. Es muss daher als therapeutischer Übereifer bewertet werden, wenn solchen Menschen am Ende ihres Lebens noch künstlich Flüssigkeit und Nahrung aufgezwungen werden.“ 

Der bewusste Verzicht auf den Einsatz einer PEG-Sonde stellt in dieser Endphase der Demenzerkrankung kein moralisch unzulässiges Verhungern- oder Verdursten-Lassen des Patienten dar. „Ärzte müssten lernen, Nein zu sagen, wo das Wohl des Patienten es erfordert.“ 

Zur Unterstützung der Entscheidungsfindung, wann eine Therapiereduktion angezeigt ist, hat IMABE in einer fächerübergreifenden Arbeitsgruppe von Medizinern ein Konsens-Paper erstellt, abrufbar unter: Konsens. Therapiereduktion und Therapieverzicht (2006).

Foto: © BirgitH - pixelio.de

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Reproduktionsmedizin: Frauen werden kaum über Risiken und Fehlerquoten informiert

IMABE fordert Gesetzgeber zum Umdenken auf: Das Kindeswohl schützen – und das der Frauen

In Österreich liegt ein Entwurf für ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) auf dem Tisch. Darin ist weitgehend jede Option erlaubt, um Kinderwunsch zu realisieren, die der Markt zur Zeit bietet: Selektion von Embryonen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter (PID), vorsätzliches Splitting von genetischer und sozialer Elternschaft (Ermöglichung von Eizellen- oder Samenspende durch Dritte). Selbst dann, wenn keine medizinische Unfruchtbarkeit vorliegt, wie etwa bei lesbischen Paaren, soll es in Zukunft mögich sein, auf die Technik der künstlichen Befruchtung zurückzugreifen. Einzig prinzipiell verboten bleibt vorerst die Leihmutterschaft und die Samenspende für Alleinstehende. Damit würde Österreich Regelungen einführen, die zum Teil weder in Deutschland noch der Schweiz erlaubt sind (vgl. Die Presse, online, 14. 11. 2014).

Scharfe Kritik an dem Entwurf übte Aktion Leben. Die Rechte des Kindes würden „sträflich missachtet“. Der Gesetzesentwurf ignoriere völlig das Recht eines Kindes, seine biologischen Eltern zu kennen und bei ihnen aufzuwachsen. Ebenso sei die vorgesehene Beratung durch einen Arzt über die Risiken einer Eizellenspende eine „Farce“, da es keine Trennung zwischen beratendem und behandelndem Arzt gäbe, kritisiert Aktion Leben-Präsidentin Gertraude Steindl (Pressemitteilung, online, 13. 11. 2014). 

Familienbischof Klaus Küng sprach von einem „Dammbruch“: Durch die Zulassung einer Samenspende für die In-vitro-Fertilisation (IVF), die Eizellspende und die Präimplantationsdiagnostik (PID) würden „im Namen einer Fortschrittlichkeitsgläubigkeit“ eine ganze Reihe von Problemen und Leiden, vor allem für die als Spenderinnen oft unter Druck stehenden Frauen, geschaffen, warnte der Bischof, selbst Mediziner. Es sei ein Recht der Kinder „Vater und Mutter zu kennen und mit ihnen aufzuwachsen“, sie würden mehr und mehr zu einem Produkt der Fortpflanzungsindustrie, berichtet Kathpress (online, 14. 11. 2014). 

„Es überrascht, dass der Gesetzgeber zu diesen extrem heiklen Fragen offenbar keine Diskussion wünscht“, kritisiert IMABE-Geschäftsführerin Susanne Kummer angesichts der knappen Frist: Einwände können nur noch bis 1. Dezember vorgebracht werden. „Was Österreich braucht, ist eine Regelung, die das Kindeswohl schützt und auch das der Frauen vor einem zunehmend aggressiven Markt“, betont Kummer: „Die Schattenseiten der Reproduktionsmedizin, die Gesundheitsrisiken und geringen Erfolgsquoten der Methoden werden in der Debatte ausgeblendet. Das ist unverantwortlich.“ 

Wie dünn die Informationen sind, aber gleichzeitig illusionäre Hoffnungen geweckt werden, zeigte jüngst die Social-Egg-Freezing-Debatte. Denn die Chance, dass eine Frau nach Einfrieren ihrer Eizellen und künstlicher Befruchtung überhaupt ein Kind bekommt, liegt unter der 10-Prozent-Marke – je älter die Frau, desto geringer. Nach einer künstlichen Befruchtung ab 38 Jahren seien laut American Society of Reproductive Medicine (vgl. ASRM Fact Sheet 2014) überhaupt nur 2 bis 12 Prozent der aufgetauten und künstlich befruchteten Eizellen implantationsfähig und könnten zu einer Lebendgeburt führen, sagt Josephine Johnston, Forschungsdirektorin am Hastings Center in New York (Newsrepublic, online, 1. 11. 2014).

Für jede künstliche Befruchtung gilt: Nicht nur die Qualität der Eizellen sinkt mit steigendem Alter, auch der Organismus der Frauen ist für Komplikationen leichter anfällig. Die Zahl der Lebendgeburten sind gering, die Frauen geraten unter Erfolgsdruck, immer mehr Versuche machen zu lassen. So wurden laut einer im Mai 2013 im Journal Fertil Steril publizierten Übersichtstudie (2013 Aug; 100(2):492-9.e3. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.04.023) 1805 Frauen (Durchschnittsalter 34 Jahre) zwecks künstlicher Befruchtung hormonell stimuliert. Es wurden invasiv 13.000 Eizellen entnommen und eingefroren. 60 Prozent der Eizellen erwiesen sich nach dem Auftauen jedoch als unbrauchbar. Von den restlichen 40 Prozent ließen sich zwar einige befruchten, nisteten sich aber dann nicht in der Gebärmutter ein. Mehr als 95 Prozent der Embryonen gingen im Mutterleib zugrunde. Unterm Strich überlebten nur 4,3 Prozent (!) der erzeugten Embryonen (224 Lebendgeburten, darunter Zwillinge und Drillinge), was 1,7 Prozent der aufgetauten Eizellen entspricht. 

Bei minus 196 Grad kann man Eizellen einfrieren, auch künstlich befruchtete Embryonen lagern, aber nicht den eigenen Körper. Je älter, desto eher müssen Schwangere nach IVF mit überhöhtem Blutdruck oder Diabetes und einem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt rechnen (vgl. FAZ, online, 6. 11. 2014).
Auch die Gesundheitsrisiken für Kinder aus künstlichen Befruchtungen werden kaum thematisiert. Dazu zählen Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Mehrlingsschwangerschaften, ein vierfaches höheres Risiko für Totgeburten (vgl. IMABE 2010), Verengungen der Harnwege, neurologische Störungen oder systemische Fehlbildungen. 

Auch bei einer „normalen“ künstlichen Befruchtung mit frischen Eizellen liegt die Baby-Take-Home-Rate bei geringen 15 bis 20 Prozent. Mit anderen Worten: Mehr als 80 Prozent der Frauen kommen trotz psychisch, emotional und körperlich stark belastender Eingriffe auch nach mehreren IVF-Versuchen zu keinem Kind. „Der Großteil der IVF-Versuche führt zu keinem Kind, sondern zu vielen Wunden und Traumata. Die psychischen und emotionalen Belastungen der Frauen durch künstliche Befruchtungen sind immer noch ein Tabu-Thema“, kritisiert Ethikerin Susanne Kummer. „Aufgrund der aggressiven Vermarktung und liberaler Gesetze, die diese begünstigen, wird die künstliche Befruchtung häufig leichtfertig angewendet“, betont Kummer unter Berufung auf eine kürzlich vom Zentrum für Reproduktionsmedizin an der Universität Amsterdam publizierten Studie (vgl. IMABE 2014). „Drei Viertel der Frauen, die wegen vermeintlicher Unfruchtbarkeit eine künstliche Befruchtung durchführen ließen, bekamen drei Jahre später auch auf völlig normalen Weg ein Kind. Hier scheinen also Marktinteressen die Beratung zu beeinflussen. So eine Medizin lehnen wir ab.“ Auch die ethische Grundsatzfrage, was es heißt, Embryonen herzustellen und einzufrieren, müsse neu diskutiert werden. 

Am Traum vom Kind lässt sich jedenfalls verdienen: Laut dem aktuellen Report Global In-Vitro Fertilization (IVF) Market 2013 – 2020 des Internationalen Marktforschungsinstituts Allied Analytics LLP ist die Reproduktionsmedizin zu einer gewinnbringenden Industrie geworden: Der globale IVF-Markt lag Ende 2012 bei 9,3 Milliarden US-Dollar, bis 2020 wird er auf schätzungsweise 21,6 Milliarden Dollar ansteigen. 

IMABE hat ausführlich zu Fragen der Liberalisierung des FMedG Stellung genommen. Eine Übersicht findet sich hier: www.imabe.org/index.php.

Foto:  © 49502705 - Fotolia

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Dienstag, 14. Oktober 2014

IMABE-Symposium: Die Sprache des Schmerzes verstehen, 5.12.2014 in Wien

In Österreich leiden 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Die wirksame Bekämpfung von chronischem Schmerz gehört zu den großen offenen Fragen der Medizin. Um Schmerzen zu lindern, müssen Patienten individuell und in ihrer Ganzheit in den Blick genommen werden. Symptomkontrolle alleine genügt nicht. Wo liegen neue Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Schmerztherapie?

Hinter einer wachsenden Medikalisierung hat das Leiden am Schmerz lautlos zugenommen. Welche Rolle spielt die persönliche Geschichte und die Psyche in der Wahrnehmung, Verarbeitung und Bewältigung von Schmerz? Brauchen wir neue Kompetenzen im Umgang mit Leidenden angesichts utopischer Ansprüche eines komplett schmerzfreien Lebens? 

Namhafte Experten aus der Schmerztherapie, Psychosomatischen Medizin, Palliative Care und Ethik werden folgende Themen fokussieren:
  • Möglichkeiten und Grenzen der Schmerztherapie
  • Wege zur Entmedikalisierung des Schmerzes
  • Die psychosomatische Dimension des Schmerzes
  • Schmerz, Lebensqualität und Lebenssinn: Neue Wege der Palliative Care
  • Leid verstehen. Die Utopie einer schmerzfreien Gesellschaft
Programm und Referentenliste finden Sie hier bzw. auf der Webseite Veranstaltung. Anmeldeschluss ist der 21. November 2014.

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Montag, 15. September 2014

Veranstaltungshinweis: „Die Sprache des Schmerzes verstehen“, 5. 12. 2014 in Wien

Menschen mit Schmerzen erwarten medizinische Hilfe, Schmerzen zu lindern gehört zum Grundauftrag der Medizin. Symptomkontrolle alleine, insbesondere bei chronischen Schmerzen, genügt nicht. Wo also liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Schmerztherapie? Welche Rolle spielt die Geschichte und Psyche des Patienten in der Wahrnehmung, Verarbeitung und Bewältigung von Schmerz? Und welche therapeutischen Konsequenzen ergeben sich daraus? Welche Kompetenzen im Umgang mit Leidenden braucht es angesichts eines gesellschaftlich utopischen Anspruchs, das Leben müsse frei von jedem Schmerz sein? 

Namhafte Experten werden darüber auf Einladung von IMABE – Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Ärztekammer am 5. Dezember 2014 in Wien diskutieren. 

Das interdisziplinäre Symposium DIE SPRACHE DES SCHMERZES VERSTEHEN findet in der AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65 statt, Tagungsgebühr: 30 Euro. Das Programm finden Sie unter IMABE-Veranstaltungen http://www.imabe.org/index.php?id=2071.

Quelle: Imabe-Newsletter September 2014

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Dienstag, 8. Juli 2014

Save the Date: „Die Sprache des Schmerzes verstehen“ am 5. 12. 2014 in Wien

Menschen mit Schmerzen erwarten medizinische Hilfe, Schmerzen zu lindern gehört zum Grundauftrag der Medizin. Dies gelingt jedoch nur, wenn der Mensch in seiner Ganzheit in den Blick genommen wird. Symptomkontrolle alleine genügt nicht. Wo also liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Schmerztherapie? Welche Rolle spielt die Geschichte und Psyche des Patienten in der Wahrnehmung, Verarbeitung und Bewältigung von Schmerz? Und welche therapeutischen Konsequenzen ergeben sich daraus? Welche Kompetenzen im Umgang mit Leidenden braucht es angesichts eines gesellschaftlich utopischen Anspruchs, das Leben müsse frei von jedem Schmerz sein?
Namhafte Experten werden darüber auf Einladung von IMABE – Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Ärztekammer am 5. Dezember 2014 in Wien diskutieren.

Das interdisziplinäre Symposium DIE SPRACHE DES SCHMERZES VERSTEHEN findet in der AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65) statt, Tagungsgebühr: 30 Euro. Das Programm finden Sie unter IMABE-Veranstaltungen.

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Mittwoch, 11. Juni 2014

Österreich: 1,5 Millionen Menschen leiden an chronischen Schmerzen

IMABE-Symposium: „Schmerz: begreifen - bewältigen - behandeln“ am 5. 12. 2014 in Wien

In Österreich leiden 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, darunter sind rund 200.000 Schmerzpatienten mit einem sehr hohen Chronifizierungsgrad auf spezielle Schmerztherapien angewiesen. Doch es gebe kein Geld für nachhaltige Strukturveränderungen, sagte Christian Lampl, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) anlässlich der 22. Jahrestagung der ÖSG in Graz (Pressemitteilung online, 22. 5. 2014). „Für zeit- und zuwendungsintensive Behandlung fehlt die materielle Existenzgrundlage“, so der Linzer Neurologe Lampl. Insgesamt werden die in Österreich durch chronische Schmerzen verursachten Kosten auf 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro jährlich geschätzt. 33 Prozent der chronischen Schmerzpatienten sind berufsunfähig, 21 Prozent werden in die Frühpension entlassen. „Frühzeitige Therapie und innovative Medikamente könnten dieser Entwicklung entgegenwirken”, so Lampl, der auch die Plattform Allianz Chronischer Schmerz Österreich mitunterstützt. 

Auch der Deutsche Ärztetag setzt sich für eine bessere schmerzmedizinische Versorgung in Praxen und Krankenhäusern ein, berichten die Salzburger Nachrichten (online, 29. 5. 2014). Der Weg zur richtigen Schmerztherapie dauert Studien zufolge in Deutschland mehr als vier Jahre. Schmerztherapien hätten auch hier noch keinen hohen Stellenwert und würden schlecht bezahlt. Zwar hätten schon mehr als 4700 Ärzte die Zusatzausbildung in Schmerztherapie, sagt die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Martina Wenker. Viele Patienten würden von den Angeboten aber nicht erreicht. Ab 2016 soll Schmerzmedizin nun auch Pflichtfach für Medizinstudierende werden. Nicht alle Schmerzpatienten aber müssten zum Schmerztherapeuten. Nur 5,4 Prozent, immerhin vier bis fünf Millionen Menschen allein in Deutschland, litten tatsächlich unter körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen – mit allen negativen Konsequenzen wie sozialem Rückzug oder Depressionen. Schmerzmedizin müsse, so der Tenor des Deutschen Ärztetages, zur Querschnittsmaterie und nach dem Vorbild des Hygiene-Managements zur Pflicht in Kliniken und zum Qualitätsindikator für Krankenhäuser werden. 

SAVE THE DATE: „Schmerz: begreifen - bewältigen - behandeln“ lautet das Thema des kommenden IMABE-Symposiums 2014. Die interdisziplinäre Tagung mit namhaften Experten findet am 5. Dezember 2014 in Wien in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger statt. Tagungsort: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien. Genaue Programminformationen folgen in Kürze auf unsere Homepage unter Veranstaltungen.

Foto:  Patrick Wyss  / pixelio.de

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Dienstag, 8. April 2014

Studie: „Pille danach“ hat nachweislich abtreibende Wirkung

Aktuelle IMABE-Empfehlung zu Notfallverhütung nach Vergewaltigung

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erwägt die EU-weite Freigabe der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristal (UPA, zum Beispiel EllaOne®) für den Apothekenverkauf. Dann müsste diese auch in Österreich oder Deutschland in jeder Apotheke erhältlich sein. Bislang sind in Österreich nur Levonorgestrel-Präparate (LNG, Vikela® u.a.) rezeptfrei. Erst im März 2014 hatte die Deutsche Bundesregierung die Rezeptpflicht für die „Pille danach“ – sowohl LNG als auch UPA erneuert (vgl. Deutsches Ärzteblatt, 27. 3. 2014). Die amerikanische FDA hat bereits auf eine mögliche frühabtreibende Wirkung von Ulipristal hingewiesen, da diese „Pille danach“ auch verhindern kann, dass sich ein Embryo in die Gebärmutter einnistet, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (online, 21. 3. 2014). 

Das zeigte auch kürzlich eine in Reproductive Science (18. 1. 2014, doi: 10.1177/1933719113519178) veröffentlichte Studie, die die Wirkungsweise von Ulipristal untersuchte. UPA-Präparate werden als die neue, bessere „Pille danach“ propagiert, da sie laut Hersteller bis 120 Stunden nach ungeschütztem Verkehr 80 Prozent jener Schwangerschaften, zu denen es hätte kommen können, verhindern könnten. Die neue „Pille danach“ soll laut Hersteller besser „notfallverhüten“, da UPA auch noch kurz vor dem Eisprung diesen verhindern können soll.

Hier würden aus vorhandenen Studien falsche Schlüsse gezogen, entgegnet nun die Forschergruppe um Bruno Mozzanega von der Universität Padua. Das UPA-Präparat EllaOne wirke über den gleichen Mechanismus wie die ausdrücklich als Abtreibungspille deklarierte Substanz Mifepriston. Ulipristal verändert die Gebärmutterschleimhaut so, dass der Embryo sich nicht mehr einnisten kann. Die Autoren weisen darauf hin, dass UPA häufig zu Blutungen führt, wenn es in der zweiten Zyklusphase verabreicht wird. Die hohe Rate der angeblich verhinderten Schwangerschaften führen die Autoren auf diese Frühabstoßung des Embryos zurück. Das Ergebnis der Wissenschaftler aus Padua zu Ulipristal deckt sich mit der von IMABE bereits 2013 publizierten Aktualisierung der Erkenntnisse zur Wirkweise der „Pille danach“ (online, 19. 2. 2013), in denen IMABE Studien bis zum Jahr 2013 analysierte. 

Gestützt wird die Kritik der italienischen Wissenschaftler durch jüngste Veröffentlichungen, die Ulipristal zur Behandlung von Myomen, (gutartigen Gebärmuttertumoren), untersuchten, heißt es in der FAZ (online, 21. 3. 2014). Unter der Wirkung von UPA würden große Tumoren um 45 bis 55 Prozent schrumpfen. Für die Therapie von Myomen wird eine Wirkweise auf die Gebärmutter angepriesen, die man bisher unter den Tisch fallen ließ, wenn es darum ging, die Substanz als „Pille danach“ zu vermarkten. „Wir sollten äußerst sorgfältig vorgehen, wenn wir es mit Substanzen zu tun haben, die die Implantation des Embryos verhindern“, schreibt daher Mozzanega. 

IMABE hatte auf die unterschiedliche Wirkungsweise der „Pille danach“ je nach Zyklustag der Frau bereits in einer im Februar 2013 veröffentlichen Stellungnahme (online, 13. 2. 2013) hingewiesen. Damals war in Deutschland eine heftige Debatte über die Wirkungsweise der „Pille danach“ aufgeflammt (vgl. Deutsches Ärzteblatt, online, 4. 2. 2013). Anlass war die Frage, ob katholische Krankenhäuser die „Pille danach“ an Vergewaltigungsopfer abgeben dürfen. Dazu müsste geklärt sein, ob diese Präparate nur antikonzeptiv oder auch nidationshemmend wirken, was einen erheblichen moralischen Unterschied ausmacht. 

Aus ethischer und aus ärztlicher Sorgfaltspflicht ergibt sich, dass sich jemand, der die Absicht hat, die „Pille danach“ nur zu verabreichen, wenn sie die Ovulation verhindert, nicht aber wenn sie abtreibend wirkt, mit Hilfe medizinischer Methoden vergewissern muss, dass sich die Frau im entsprechenden Stadium des Zyklus befindet. 

IMABE hat Experten gebeten, aktuelle Empfehlungen zur Handhabung der Notfallkontrazeption („Pille danach“) bei Frauen nach einer Vergewaltigung auszuarbeiten. Diese liegen nun vor und soll Ärzten als Instrumentarium dienen, um in dieser Krisensituation den Frauen in ihrer Not zu helfen. Die Empfehlungen wurden in Imago Hominis (2014; 21(1): 68-72) publiziert und sind online abrufbar.

Foto:  Screenshot FAZ

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Dienstag, 19. November 2013

IMABE: Neue Themen unter IMABE-Infos abrufbar

Seit 25 Jahren aktuelle medizinisch-ethische Fragestellungen interdisziplinär und kompakt aufbereitet

IMABE - Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik wurde vor genau 25 Jahren als unabhängige wissenschaftliche Einrichtung in Wien gegründet. Ziel des Instituts ist es, aktuelle medizinisch-ethische Fragestellungen im Kontext von Wissenschaft, Anthropologie, Religion und Kultur auf breiter Basis zu reflektieren. 

Die auf interdisziplinärem Weg entstandenen Ergebnisse dieser Reflexion dienen als Grundlage für den ethischen Diskurs innerhalb einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft und bieten Entscheidungskriterien für den medizinischen Alltag und das Gesundheitswesen. IMABE will eine evidenz-basierte Ethik in der Medizin fördern und zeigen, dass medizinische Exzellenz nicht ohne ethische Prinzipien möglich ist. 

Durch Publikationen, qualifizierte Weiterbildungsangebote und Veranstaltungen trägt das Institut dazu bei, für ethische Probleme zu sensibilisieren und Beteiligte in ihrer ethischen und eigenverantwortlichen Entscheidungskompetenz zu stärken. Im Fokus stehen Entwicklungen in Medizin und Forschung, die auch in ihrer gesellschaftspolitischen Dimension kritisch hinterfragt werden. IMABE will eine evidenz-basierte Ethik in der Medizin fördern und zeigen, dass medizinische Exzellenz nicht ohne ethische Prinzipien möglich ist. 

In unseren IMABE-Infos bereiten wir aktuelle Themen kompakt auf. Im Jahr 2013 sind folgende Themen neu erschienen: Burnout, Pränatale Diagnostik, Hirntod. Diese und weitere IMABE-Infos können Sie kostenlos herunterladen unter http://www.imabe.org/index.php?id=imabeinfos.

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IMABE-Symposium: Sinndimension der Arbeit entdecken und bei seelischem Leid mehr beachten

Experten hinterfragen das Paradigma von Effizienz und Funktionieren und warnen vor einer zunehmenden Medikalisierung psychischer Probleme

Am 8. November 2013 fand in Wien das Symposium „Mental Health und Arbeitswelt. Arbeit zwischen Stress und Lebensstil“ statt, das IMABE in Kooperation mit der Pensionsversicherungsanstalt (PV), der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Ärztekammer in der PV veranstaltete. 

Die Vorträge der bereits Mitte Oktober ausgebuchten Tagung werden 2014 im Fachjournal Imago Hominis publiziert. Eine Foto-Nachlese, Abstracts der Referenten sowie Pressespiegel finden Sie unter Symposium „Mental Health und Arbeitswelt“, darunter ein Interview mit dem Hamburger Psychiater Klaus Dörner (Salzburger Nachrichten, online, 9. 11. 2013) über den rasanten Anstieg psychischer Erkrankungen sowie ein Gespräch mit Susanne Kummer: „Fehlt der Sinn, werden die Mitarbeiter krank“ (Salzburger Nachrichten, online, 9. 11. 2013) und vieles mehr. 

Vorbestellungen für den Tagungsband „Mental Health und Arbeitswelt. Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn“ (Preis: 10 Euro) richten Sie bitte direkt an das Institut http://www.imabe.org/index.php?id=kontakt.

Foto: IMABE/PV

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Dienstag, 8. Oktober 2013

Mental Health: Burnout-Boom ist ein Zeichen für Sinnverlust

IMABE-Tagung am 8. November in Wien beleuchtet medizinisch-ethische Fragen von seelischer Gesundheit und Berufswelt

Laut WHO steigen psychische Erkrankungen dramatisch an, insgesamt rechnet man mit weltweit 400 Millionen betroffenen Menschen. Am 10. Oktober wird alljährlich der Welttag der psychischen Gesundheit begangen. In einem aktuellen Artikel im Fachjournal Der Schmerz  (2013 Sep;27(5):521-533 DOI 10.1007/s00482-013-1312-3) plädiert der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Toni Brühlmann angesichts des inflationären Gebrauchs des Begriffs Burnout für eine Präzisierung: Burnout sei „keine Krankheit“, sondern ein „Risikozustand“. Es handle sich um eine Störung in der Stressverarbeitung, aber auch um eine Lebenssinnkrise. Auf beide Phänomene müsse man gezielt eingehen, so der Psychiater.

Burnout bezeichnet Brühlmann als eine ernst zu nehmende Fehlentwicklung in der persönlichen Lebensführung, die dann in psychische und körperliche Krankheiten münden kann – aber nicht muss. Wo ungesunder Distress entsteht, sollte man deshalb rechtzeitig mit einer therapeutisch geleiteten Verbesserung des Stressmanagements beginnen. Ebenso wichtig sei es aber zu sehen, dass Burnout eine Lebenssinnkrise ist, die ihre Ursache in der „Einengung auf Leistung und Erfolg" hat, in der „Eindimensionalität der Lebensführung“. „Es ist wichtig, diesen Aspekt in der Psychotherapie gezielt aufzugreifen und auf eine Selbst- und Lebenserweiterung hinzuarbeiten“, betont Brühlmann. „Sinnverlust ruft auch vermehrt nach spirituellen oder religiösen Verwurzelungen. Durch Egotranszendierung wird eine einseitige Selbstbezogenheit – die heute verbreitete und überbetonte narzisstische Position – überwunden; man sieht sich wieder als Teil eines umgreifenden Ganzen, einer Gemeinschaft, der Natur oder der Transzendenz. Als wichtigen Ansatz für eine Burnout-Prophylaxe nennt Brühlmann deshalb die „innere Umgestaltung“ in der persönlichen Werteskala: Die Sinnfrage müsste aktiv aufgegriffen und dem Patienten Möglichkeiten gezeigt werden, wo er aus der Opferrolle heraustreten kann und für sich selbst - seine Werte, Ziele und Lebensführung - neu Verantwortung übernimmt. 

IMABE-Symposium: „Mental Health und Arbeitswelt: Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn“
Termin: Freitag, 8. November 2013, 9.00 bis 13.00 Uhr in Wien
Veranstalter: IMABE, in Kooperation mit PV, AUVA, ÖÄK, Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger
Tagungsort: Pensionsversicherungsanstalt, Friedrich-Hillegeist-Straße 1, 1021 Wien, 9. Stock 

Themenschwerpunkte der interdisziplinären Tagung: „Monokultur der Effizienz. Welche Stressfaktoren in der Arbeitswelt sind Auslöser psychischer Krankheiten?“ – „Arbeit und Lebenssinn. Eine Phänomenologie der Arbeit im Zeitalter seelischer Erkrankungen“ – „Zahlen, Daten und Fakten zur Lage der psychischen Gesundheit österreichischer Arbeitnehmer“ – „‚Und wie geht's zu Hause?’ Quellen und unterstützende Faktoren der mentalen Stärke – Resilienz im Alltag“ – „Vorsorgestrategien für Mental Health im Unternehmen“. 

Programm-Flyer zum Download. 

Anmeldung: Verbindliche Anmeldung bis 30.10.2013 unter anmeldung(at)imabe.org. Eintritt frei, begrenzte Teilnehmerzahl. Die Reihung erfolgt nach Eingangsdatum. Aufgrund der großen Nachfrage bitten wir um baldige Anmeldung! 

Fortbildung: Die Österreichische Ärztekammer vergibt 5 DFP-Punkte. Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) bestätigt die Teilnahme gemäß Psychologengesetz mit 4 Fortbildungseinheiten.
Foto:  Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

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Donnerstag, 5. September 2013

IMABE-Tagung: „Mental Health und Arbeitswelt“ am 8.11.2013 in Wien

Unternehmenskultur hat Einfluss auf Gesundheit

Worin liegen die Ursachen der allmählichen Verschlechterung der seelischen Gesundheit? Reagiert der Mensch mit Krankheit auf kranke Umstände in seinem Arbeitsumfeld? Oder sinkt seine Belastbarkeit? Laut WIFO hat vor allem die Zufriedenheit mit dem Führungsstil im Unternehmen positive Auswirkungen. Konkret hat eine EU-Untersuchung ergeben, dass Mitarbeiter, die über die Qualität der Führung im Unternehmen negativ urteilen, im Jahr etwa 2,5 Tage mehr im Krankenstand sind als jene, die ihre Vorgesetzten als sehr gute Führungskräfte wahrnehmen (vgl. Soziale Sicherheit 11/2012). 

Was können Betriebe präventiv für die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun? Welche Rolle spielt dabei das private Umfeld? Experten legen Fakten, Hintergründe und Auswege zum Spannungsfeld Arbeit und seelische Erkrankungen dar. 

Das aktuelle Programm des Symposiums „Mental Health und Arbeitswelt: Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn“, veranstaltet von IMABE in Kooperation mit PVA, AUVA, ÖÄK und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, ist ab sofort als PDF unter IMABE-Veranstaltungen abrufbar. 

Keynote-Speaker ist unter anderem Klaus Dörner, Psychiater und Soziologe, Gründer der Reformbewegung der Deutschen Psychiatrie. Dörner, der 1980 bis 1996 Leitender Arzt der Psychiatrischen Klinik Gütersloh war sowie einen Lehrstuhl an der Universität Witten-Herdecke innehatte, ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP). In seinen Büchern setzt sich der Querdenker kritisch mit Entwicklungen in Medizin, Gesellschaft und Gesundheitssystem auseinander. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen: Das Gesundheitsdilemma. Woran unsere Medizin krankt (2004), Leben und Sterben, wo ich hingehöre (2007), Der gute Arzt – Lehrbuch der ärztlichen Grundhaltung (2001), Helfende Berufe im Markt-Doping – Wie sich Bürger- und Profi-Helfer nur gemeinsam aus der Gesundheitsfalle befreien (2008). 

Klaus Dörner wird sich am 8. November 2013 in Wien kritisch der Frage der veränderten Arbeitswelt widmen unter dem Titel: „Monokultur der Effizienz. Welche Stressfaktoren in der Arbeitswelt sind Auslöser psychischer Krankheiten?“ 

Weitere Themenschwerpunkte, die in der Tagung MENTAL HEALTH UND ARBEITSWELT behandelt werden: „Arbeit und Lebenssinn. Eine Phänomenologie der Arbeit im Zeitalter seelischer Erkrankungen“ – „Zahlen, Daten und Fakten zur Lage der psychischen Gesundheit österreichischer Arbeitnehmer“ – „‚Und wie geht's zu Hause?’ Quellen und unterstützende Faktoren der mentalen Stärke – Resilienz im Alltag“ – „Vorsorgestrategien für Mental Health im Unternehmen“. 

Die interdisziplinäre Tagung MENTAL HEALTH UND ARBEITSWELT findet in der PVA, 1021 Wien, Friedrich-Hillegeist-Straße 1 statt. 

Die Teilnahme ist frei. Anmeldung unter anmeldung@imabe.org. Die ÖÄK vergibt 5 DFP-Punkte. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl bitten wir um verbindliche Anmeldung bis 31. 10. 2013.

Quelle: IMABE-Newsletter September 2013

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Montag, 8. Juli 2013

IMABE-Symposium: „Mental Health und Arbeitswelt“ am 8.11.2013 in Wien

Experten behandeln Daten, Fakten und Auswege zur Spannung von Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn

In Österreich hat sich in 20 Jahren die Zahl der Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen mehr als verdoppelt. Die Balance zwischen Arbeitswelt und Freizeitstress, zwischen Leistung und Lebenssinn scheint aus dem Ruder geraten zu sein. Der Preis dafür ist hoch – menschlich und wirtschaftlich. 

Worin liegen die Ursachen der allmählichen Verschlechterung der seelischen Gesundheit? Reagiert der Mensch mit Krankheit auf kranke Umstände in seinem Arbeitsumfeld? Oder sinkt seine Belastbarkeit? Was können Betriebe präventiv für die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun? Welche Rolle spielt das private Umfeld? Belastungssituationen können Menschen auch stark machen. Welche Faktoren gehören zu einer „guten Arbeit“, in der Anerkennung, Sinn und Motivation zu finden sind? 

Namhafte Experten aus den Bereichen Psychotherapie, Psychiatrie, Management und Religionsphilosophie werden darüber auf Einladung von IMABE - Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik, in Kooperation mit der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), der Österreichischen Ärztekammer, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger am 8. November 2013 in Wien diskutieren. Das interdisziplinäre Symposium MENTAL HEALTH UND ARBEITSWELT findet in der PVA, 1021 Wien, Friedrich-Hillegeist-Straße 1 statt. Das detaillierte Programm finden Sie unter IMABE-Veranstaltungen. 

Verbindliche Anmeldung bis 31.10.2013 unter anmeldung@imabe.org. Begrenzte Teilnehmerzahl. Die Reihung erfolgt nach Eingangsdatum der Anmeldung. Die ÖÄK vergibt 5 DFP-Punkte.

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Großbritannien: Empfehlung für umstrittene IVF zwecks Drei-Eltern-Kind

IMABE spricht von ethischem Rückschritt

Als weltweit erstes Land hat die britische Regierung angekündigt, eine Gesetzesvorlage zu erarbeiten, die die Schaffung von Drei-Eltern-Kindern erlaubt. Damit soll die Zeugung von Kindern mit mitochondrialen Erkrankungen verhindert werden. Wie die Regierungsberaterin und oberste Gesundheitsbeamtin des Landes, Sally Davies in einer Mitteilung (online, 28. 6. 2013) betonte, solle Großbritannien diese erfolgversprechende Technik der künstlichen Befruchtung (IVF) rasch zulassen. Eine Reihe von Erbkrankheiten, sogenannte Mitochondriopathien, gehen auf Gendefekte der im Plasma der Eizelle befindlichen Mitochondrien zurück. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa eines von 6.500 Neugeborenen an einer dieser Krankheiten leidet. 

Während die einen die Entscheidung als Durchbruch und bahnbrechend für die Forschung bezeichnen, sprechen andere von Dammbruch und warnen vor überzogenen Erwartungen und riskanten Folgen für Generationen. 

Das Verfahren ist in der Wissenschaft seit Anfang an höchst umstritten (vgl. IMABE April 2013 Großbritannien: Kind mit drei genetischen Elternteilen rückt näher). 

Susanne Kummer, Geschäftsführerin von IMABE, betont gegenüber Kathpress (online, 29. 6. 2013), dass das Verfahren aus ethischer Perspektive ein Rückschritt sei. Es gebühre „der Würde des Menschen“, dass er „nicht von Menschenhand gemacht und in seiner Existenzgrundlage manipuliert ist", führte Kummer aus. „Ethik kann nicht nach Regeln des Marktes funktionieren, sondern dient zum Schutz der Würde des Menschen.“ 

Die Technik sei „unnötig, unsicher und von den meisten Begutachtern zurecht abgelehnt“, zitiert die BBC (online, 27. 6. 2013) David King von Human Genetics Alert. King bezeichnete es als „Grenzüberschreitung“, die in letzter Konsequenz zu einem Markt für eugenische Designer-Babys führen werde. Die umstrittenen Pläne sollen bis zum Jahresende in einen Gesetzesentwurf gegossen werden, über den das britische Parlament voraussichtlich 2014 abstimmen wird.

Foto: Life Issues Institute

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Montag, 10. Juni 2013

Veranstaltungshinweis: „Mental Health und Arbeitswelt“ am 8. 11. 2013 in Wien



IMABE-Symposium widmet sich interdisziplinär der Spannung von Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn

In Österreich hat sich in 20 Jahren die Zahl der Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen mehr als verdoppelt. Die Balance zwischen Arbeitswelt und Freizeitstress, zwischen Leistung und Lebenssinn scheint aus dem Ruder gelaufen zu sein. Der Preis dafür ist hoch – menschlich und wirtschaftlich. 

Worin liegen die Ursachen der allmählichen Verschlechterung der seelischen Gesundheit? Reagiert der Mensch mit Krankheit auf kranke Umstände in seinem Arbeitsumfeld? Oder sinkt seine Belastbarkeit? Was können Betriebe präventiv für die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun? Welche Rolle spielt das private Umfeld? Belastungssituationen können Menschen auch stark machen. Welche Faktoren gehören zu einer „guten Arbeit“, in der Anerkennung, Sinn und Motivation zu finden sind? 

Namhafte Experten aus den Bereichen Medizin, Management und Ethik werden darüber auf Einladung von IMABE • Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien in Kooperation mit der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger am 8. November 2013 in Wien diskutieren. Das interdisziplinäre Symposium „Mental Health und Arbeitswelt. Arbeit zwischen Stress und Lebenssinn“ findet in der Pensionsversicherungsanstalt (PVA, 1021 Wien, Friedrich-Hillegeist-Straße 1) statt. Genaue Programminformationen folgen in Kürze auf unsere Homepage unter Veranstaltungen.

Bild: IMABE

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Mittwoch, 13. Februar 2013

IMABE-Stellungnahme zur Diskussion über die Wirkungsweise der „Pille danach"

In sehr wenigen, klar definierten Situationen kann die Verschreibung der „Pille danach“ ethisch zulässig sein

In Deutschland ist eine heftige Debatte über die Wirkungsweise der sogenannten „Pille danach“ aufgeflammt (vgl. Deutsches Ärzteblatt, online, 4.2.2013). Anlass war die Frage, ob katholische Krankenhäuser die „Pille danach“ an Vergewaltigungsopfer abgeben dürfen. Dazu müsste geklärt sein, ob diese Präparate nur antikonzeptiv oder auch nidationshemmend wirken, was einen erheblichen moralischen Unterschied ausmacht. 

Aus diesem Grund hat das Wiener Wissenschaftsinstitut IMABE nun eine Stellungnahme (online, 13.2.2013) veröffentlicht gemeinsam mit einer Aktualisierung der Erkenntnisse zur Wirkweise der „Pille danach“ zu Studien bis zum Jahr 2013 (online, 13.2.2013). „Es ist richtig, dass die ‚Pille danach‘ verschiedene Wirkungsweisen hat. Dies hängt davon ab, an welchem Tag des Zyklus das Präparat eingenommen wurde“, erklärt der Internist und klinische Pharmakologe, Univ.-Prof. Dr. Johannes Bonelli, Direktor von IMABE. So ist die „Pille danach“ in mehr als 90 Prozent der Fälle wirkungslos, weil zum Zeitpunkt der Einnahme aufgrund des Zyklus der Frau ohnehin keine Schwangerschaft möglich ist. 

In der von IMABE verfassten Aktualisierung der Erkenntnisse zur Wirkweise der „Pille danach“ wird festgestellt, dass die „Pille danach“, wenn sie bis zirka 2 Tage vor dem Eisprung gegeben wird, ausschließlich antikonzeptiv wirkt, kurz vor der Ovulation und knapp danach wirkt sie nidationshemmend und damit als Abtreibungsmittel, nach der Ovulation verabreicht wird die „Pille danach“ zunehmend unwirksam oder sogar schwangerschaftsschützend. Der Anteil der Anwendungsfälle der „Pille danach“ bei Vergewaltigungsopfern, in denen sie abtreibend wirkt, dürfte nach wissenschaftlich fundierten Schätzungen bei maximal 2,5 Prozent liegen. 

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte aus gegebenem Anlass die ethischen Richtlinien für eine Abgabe der „Pille danach“ festgehalten. In einer Erklärung (online, 31.1.2013) stellte Meisner klar, dass die Einnahme bzw. die Verabreichung eines Medikaments, das frühabtreibend wirkt, moralisch unerlaubt ist, da es sich dabei um unerlaubte Tötung menschlichen Lebens handle. Wenn eine „Pille danach“ dagegen die Befruchtung der Eizelle verhindert, ist dies im Fall einer Vergewaltigung sittlich erlaubt. IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals. 

Aus ethischer Sicht und auch ärztlicher Sorgfaltspflicht ergibt sich, dass sich jemand, der die Absicht hat, die „Pille danach“ nur zu verabreichen, wenn sie die Ovulation verhindert, nicht aber wenn sie abtreibend wirkt, mit Hilfe medizinischer Methoden vergewissern muss, dass sich die Frau im entsprechenden Stadium des Zyklus befindet. Ab zwei Tage vor dem Eisprung (im Fall von Ulipristal einen Tag davor), sollte die „Pille danach“ wegen ihrer nidationshemmenden Wirkung nicht mehr verschrieben werden. 

So eine Untersuchung könne relativ unaufwändig vorgenommen werden, z. B. mit Hilfe der Vaginalsonographie, die zeigt, ob ein Follikel am Ovar vorhanden ist. Auch anhand der Größe und Morphologie mit zusätzlicher Beurteilung des Endometriums könne ermittelt werden, wann der Eisprung stattfinden wird. Falls man dies mit einem LH Schnelltest ergänze, könne man mit großer Sicherheit erkennen, ob der Eisprung kurz bevor steht oder ob er erst in 2 oder mehr Tagen zu erwarten ist, heißt es in den aktualisierten Erkenntnissen. 

„Mit dieser Lösung sollte jeder Arzt einverstanden sein, der seiner ärztlichen Sorgfaltspflicht nachkommt“, hält Bonelli auch als Mediziner fest. Für katholische Krankenhäuser wäre damit ein gangbarer Weg geebnet – und sie wären Vorreiter, da Frauen sich darauf verlassen könnten, nicht unnötig ein hochdosiertes Hormonpräparat verschrieben zu bekommen. Da die „Pille danach“ in rund 90 Prozent der Fälle wirkungslos ist, weil zum Zeitpunkt der Einnahme aufgrund des Zyklus der Frau ohnehin keine Schwangerschaft möglich ist, wäre eine Vorabuntersuchung in jedem Fall angezeigt, so der IMABE-Direktor. 

Auch für jene, die eine nidationshemmende Wirkung der „Pille danach“ abstreiten, wäre die Diagnostik hilfreich, da laut ihrem Dafürhalten nach Überschreitung der 48-Stundenfrist (bei Levonorgestrel-Präparaten wie Vikela®) bzw. der 24-Stundenfrist (bei Ulipristalacetat-Präparaten wie EllaOne®) das Präparat ohnehin unwirksam ist. „Kein Arzt, der seiner Sorgfaltspflicht nachkommt, wird mit Absicht ein unwirksames Präparat verschreiben wollen“, heißt es in der IMABE-Stellungnahme.

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Donnerstag, 13. Dezember 2012

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Pränatale Diagnostik

Die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik sind in den vergangenen 20 Jahren rasant gestiegen – und damit der Druck, das Angebot auch in Anspruch zu nehmen. 80 Prozent der Schwangeren lassen mittlerweile eine über die vorgeschriebenen Ultraschalluntersuchungen hinausgehende pränatale Diagnostik vornehmen. Aufgrund zunehmend eugenischer Tendenzen werden vorgeburtliche Untersuchungen aber inzwischen auch zwiespältig beurteilt. Worin bestehen heute Logik, Praxis und Folgen vorgeburtlicher Diagnostik? Dieser Frage gehen Experten verschiedenster Fachrichtung in der kommenden Ausgabe von Imago Hominis mit dem Schwerpunktthema „Pränatale Diagnostik“ nach. 

Jeanne Nicklas-Faust (Ärztin und Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe) stellt die Ergebnisse einer repräsentativen Studie vor, die sowohl das Schwangerschaftserleben von Frauen in Deutschland untersuchte als auch Aussagen zur Inanspruchnahme der Pränataldiagnostik (PND) ermöglicht. Erschreckend ist festzustellen, wie stark die Tests in Anspruch genommen werden – und wie wenig die Betroffenen über die Tests und deren Aussagekraft eigentlich wissen. 

Der Sozialethiker Manfred Spieker (Universität Osnabrück) zeigt, wie sich schleichend der Bedeutungshorizont des Begriffs Verantwortung wandelt. Angesichts eines „vermeidbaren“ kranken Kindes schlägt Verantwortung um in die Pflicht, nur noch „qualitätsgesicherte“, gesunde Kinder zur Welt zu bringen. 

Die medizinischen Aspekte der Pränataldiagnostik in ihren Möglichkeiten und Grenzen werden von Karl Radner (Facharzt für Frauenheilkunde und Gynäkologie, Wien) und dem Mediziner Walter Rella umfassend erörtert. Sie stellen zahlreiche wissenschaftliche Studien vor und beleuchten die selten gestellte Frage, inwieweit pränatale Untersuchungen wie etwa zu häufiger Ultraschall selbst schon schädigende Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind haben können. 

Der Moraltheologe Josef Spindelböck (Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten) erörtert das ethische Dilemma, in das Ärzte geraten können, wenn sie vermuten müssen, dass die Information über eine etwaige Risikoschwangerschaft eine Abtreibung zur Folge haben wird. Welche Mittel stehen zur Verfügung, um einerseits umfassend über die Fakten zu informieren und andererseits die Frau in ihrer jeweiligen Situation zu unterstützen? 

Ist nicht im Grunde jedes Leben eine „Zumutung“? In einem religionsphilosophischen Nachdenken geht Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (EUPHRat - Europäisches Institut für Philosophie und Religion, Heiligenkreuz) der Frage nach der Zumutbarkeit des Lebens nach. Dieses als Gabe anzunehmen widerspreche dem modernen Denken, zu dem die Planbarkeit des Lebens und die kontrollierte Fortpflanzung gehören, wodurch sich ethische Konflikte ergeben. 

Anhand des jüngst auf den Markt gekommenen Bluttest zur Erkennung von Trisomie 21-Kindern (PraenaTest) zeigt Erika Feyerabend (BioSkop: Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften und ihrer Technologien) die Hintergründe auf, wie es in der Schwangerenvorsorge – und im gesamten Gesundheitswesen – auch um Marktpotentiale, Forschungsinteressen, Patente und sehr viel Geld geht. 

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 4/2012 mit dem Schwerpunkt „Pränatale Diagnostik“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro bezogen werden.

Quelle: IMABE-Newsletter Dezember 2012

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Montag, 11. Juni 2012

IMABE-Symposium: Mehr Kostentransparenz und ärztliche Eigenverantwortung gefordert

Experten sind sich uneins darüber, wie sich Wirtschaftlichkeit, soziale Mission und optimale Medizin im Krankenhaus vereinbaren lassen


Woran krankt es im Krankenhausbetrieb? Spitäler sollen wie moderne Wirtschaftsunternehmen geführt werden: Den „Göttern in Weiß“ wurden im Krankenhausalltag die „Manager in Schwarz“ zur Seite gestellt – was nicht selten zu Spannungen führt. Gefordert wird eine ausgeglichene Bilanz, während Patientenfürsorge und soziale Komponente in den Hintergrund treten.

Diese Sorge teilten die Referenten an dem von IMABE am 24. Mai 2012 veranstalteten Symposium KONFLIKTHERD KRANKENHAUS: ÄRZTE VERSUS MANAGER, das in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherung und der Österreichischen Ärztekammer in der AUVA-Wien stattfand. Dient die Ökonomie der Medizin – oder ist es inzwischen umgekehrt: Dient die Medizin der Ökonomie? Heißt Management im Spital, das Wohl des Patienten aus dem Auge zu verlieren?

Nicht unbedingt, wie Markus SCHWARZ, Unternehmensberater bei Egon Zehnder International und vormals Wirtschaftsdirektor der Christian-Doppler-Klinik Salzburg, betonte. Er kritisierte, dass Spitalsmanagement oft auf Ökonomie reduziert werde. „Effizienz ist aber nicht alleine Effektivität.“ Ob nun Ärzte die besseren Manager im Krankenhaus seien, sei eine müßige Debatte: Im erfolgreichen Management gehe es darum „ob jemand die Kompetenzen mitbringt. Führen kann, wer Führungskompetenz hat“, so Schwarz, der die „Sandkastenspiele zwischen Berufsgruppen“ für den „eindeutig falschen Weg“ hält.

Georg ZINIEL, Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH, stimmte zu: Jede Organisation brauche Management – da seien Krankenhäuser kein Sonderfall. Aber: „Weder Ökonomie noch Medizin ist Management. Management ist mehr, sie bedeutet Personalführung, Planung, Steuerung und Kontrolle. Das braucht jede Organisation.“ Für Ärzte stelle sich dennoch ein Problem, meinte IMABE-Direktor Johannes Bonelli, vormals Ärztlicher Direktor des Wiener Ordensspitals St. Elisabeth, nämlich „dass zwar das Management über die Ressourcen entscheidet, die Verantwortung gegenüber dem Patienten aber immer noch der Arzt trägt: Entscheidung und Verantwortung dürfen nicht auseinanderfallen“, forderte Bonelli.

Robert HAWLICZEK, Vorstand des Instituts für Radioonkologie am Wiener SMZ-Ost und Referent für leitende Ärzte an der Ärztekammer Wien, kritisierte, dass „maßlose Bürokratie, Überregulierung und Kontrollterror“ jegliche Entscheidungskompetenz der Ärzte im Management „erstickt, anstatt sie zu fördern“. Er sah darin die Ursache, warum es um das Gesundheitswesen in Österreich so schlecht bestellt sei. „Die Ärzte müssen wieder ihre Entscheidungskompetenz zurückerobern“, so Hawliczek.

Österreich weise „die höchsten Spitalskosten pro Einwohner in der OECD auf“, kritisiert der Innsbrucker Ökonom Max LAIMBÖCK, ehemaliger Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken. Nach Laimböcks Angaben liege das Einsparungspotenzial im Spitalswesen in Milliardenhöhe – „ohne Nachteil für die Patienten“, wie er betont. Doch bei Managern, Politikern und auch Teilen der Ärzteschaft ortet der Ökonom mangelnden Reformwillen: „Wir haben in Österreichs Spitälern zu wenig Druck, damit Reformen, wie die Zusammenlegung von Stationen bei geringer Auslastung, wirksam durchgesetzt werden. Die Mehrkosten kommen kaum dem Patienten zugute.“ Er forderte mehr Kostentransparenz und eine Entpolitisierung des Spitalswesens.

Diese und weitere Vorträge des Symposiums werden im Fachjournal Imago Hominis publiziert. Eine Foto-Nachlese, Abstracts der Referenten sowie Pressemitteilungen unter: http://www.imabe.org/index.php?id=1660.

Quelle: Imabe-Newsletter Juni 2012

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Montag, 14. Mai 2012

IMABE-Symposium: „Konfliktherd Krankenhaus: Ärzte versus Manager“, 24.5.12 in Wien

Ärzteschaft und Pflegepersonal haben ihren Beruf stets in erster Linie als spezifisch karitative Berufung verstanden. Die Aufgabe des Managements war es, die anfallenden Kosten über Politik, öffentliche Hand, Versicherungen und Spenden aufzubringen. In den letzten Jahren ist jedoch eine Trendumkehr zu verzeichnen: Krankenhäuser werden wie moderne Wirtschaftsunternehmen geführt, von denen eine ausgeglichene Bilanz gefordert wird, während die soziale Komponente in den Hintergrund tritt. Der Patient wird zunehmend als Kunde und nicht mehr als Hilfsbedürftiger betrachtet.

Dementsprechend wird das strukturelle Angebot zur Patientenversorgung nicht mehr von der Ärzteschaft nach den Bedürfnissen der Patienten vorgegeben, sondern von Managern nach ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Diese Entwicklung ist für viele Ärzte, Pflegepersonen und Therapeuten belastend - und hat zu einem erheblichen Konfliktpotential zwischen Ärzteschaft und Management beigetragen.

Im Rahmen des von IMABE – Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik in Kooperation mit der Österreichischen Ärztekammer und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) veranstalteten Symposiums „KONFLIKTHERD KRANKENHAUS: ÄRZTE VERSUS MANAGER“ diskutieren am 24. Mai 2012 von 15.00 bis 19.30 Uhr namhafte Experten darüber, welche Weichenstellungen es braucht, um Medizin auch in Zukunft mit Qualität, Kostenbewusstsein und Menschlichkeit zu verwirklichen.

Das interdisziplinäre Symposium findet in der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65) statt. Programm und Anmeldeformular unter http://www.imabe.org/index.php?id=1660.

Quelle: IMABE-Newsletter Mai 2012

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Deutschland: PID bleibt verboten, da es immer noch keine Regeln gibt

IMABE: „PID ist Tanz auf dem Vulkan, der sich in keine exakten Überwachungsregeln pressen lässt“

Es ist paradox: Im Juli 2011 hatte der Deutsche Bundestag nach langen und heftigen Debatten beschlossen, das umstrittene Verfahren der PID, also den Gencheck von Embryonen im Reagenzglas vor der Implantation in die Gebärmutter, zuzulassen: für bestimmte Fälle, nur in bestimmten Zentren und nur nach der erforderlichen Genehmigung durch eine Ethikkommission. Im Dezember 2011 trat das Gesetz in Kraft – und seither ist die PID verboten. Der Grund: Bis heute fehlt die dafür nötige Rechtsverordnung, die die Details für die Praxis regelt.

„Dass die Verordnung nun schon ein dreiviertel Jahr auf sich warten lässt, bestätigt, dass das Ansinnen, die PID auf wenige Einzelfälle zu beschränken, in der Praxis undurchführbar ist“, sagt Susanne Kummer, stv. IMABE-Geschäftsführerin. Österreich solle aus dem Beispiel Deutschland seine Lehren ziehen, betont Kummer: „PID, also die Erlaubnis zur Selektion von Embryonen, ist ein Tanz auf dem Vulkan, der sich eben in keine exakten Überwachungsregeln pressen lässt.“

Der deutsche Gesetzgeber erlaubt die PID zur Feststellung „einer schwerwiegenden Schädigung“ der Embryonen, „die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird“. Da dies nie auszuschließen ist, sehen Kritiker den Weg für ein Screening eröffnet bei den jährlich bereits rund 70.000 In-vitro-Fertilisationen in Deutschland.

Weiters darf eine PID laut Gesetz nur „nach einer medizinischen und psychosozialen Beratung“ von „fachlich geschulten Ärzten“ erfolgen. In der Rechtsverordnung zu regeln ist noch, wie die Beratung auszusehen hat und welche Expertise die Ärzte haben müssen. Ferner verlangt das Gesetz das Votum einer Ethikkommission. Wer diese bestellt, wer dort sitzt und wo sie angesiedelt sein sollen, soll ebenfalls in der Verordnung stehen. Unklar ist außerdem deren Kompetenz. Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio sieht diese Instanzen deshalb kritisch. Nach seiner Einschätzung wird der Ethikkommission kaum Entscheidungsspielraum bleiben. Die Experten „werden ihre Entscheidung immer abhängig machen von der Belastung für die Paare oder von deren Lebensverhältnissen“, sagte er. „Wenn das Paar sagt, das ist für uns unerträglich, wird die Kommission dem kaum widersprechen können“. Das Gremium werde damit letztlich eine „Absegnungsinstanz“, so Maio gegenüber der KNA (online, 04. 05. 2012). Oder soll sie entscheiden, ob ein Embryo auch bei spät auftretenden Erbkrankheiten wie Chorea Huntington verworfen werden soll, wie dies einige Reproduktionsmediziner fordern? Offen ist auch, welche und wie viele Zentren die PID anbieten dürfen. Ein schwieriges Unterfangen, da mehr als Hundert Zentren an diesem neuen Markt gerne mitnaschen wollen.

Schließlich muss die Regierung sich festlegen, welche Art der PID überhaupt erlaubt ist. Im Gesetz heißt es nur, dass sie dem „allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik“ entsprechen soll. Johannes Singhammer (CSU), ein Initiator des Verbotsantrags im Bundestag, verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach die international übliche Methode in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) unzulässig ist. Das Gesundheitsministerium strebt eine Kabinettsbefassung noch vor der Sommerpause an. Danach muss noch der Bundesrat zustimmen.

Quelle: IMABE-Newsletter Mai 2012

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